Wie aus den Strahlen des Mondes gebildet, stand auf einer Bodenanschwellung der Heide eine ungemein zierliche, graziöse Mädchengestalt vor uns, und ein ganz reizendes Mädchengesichtchen neigte sich im Mondenscheine wahrhaftig märchenhaft hübsch uns entgegen. Daß der Kreisrichter Löhnefinke aus Groß-Fauhlenberge ein reizendes Gesichtchen aufzuweisen gehabt habe, kann ich nicht sagen, aber er besaß eine biedere, gewissermaßen auch joviale Visage, und der Enthusiasmus der letzten Stunden hatte dieselbige sogar noch sehr verschönert: um so heftiger mußte ich mich jetzo über den Ausdruck verwundern, mit welchem er sein süßes Töchterchen ansah. Statt noch heiterer und noch glücklicher zu werden, fielen plötzlich seine sämtlichen Züge schlaff auseinander, um sich sofort zu einem Gewirr verdrießlicher Falten zusammenzuziehen.
„Da bist du endlich, Papa? Na, das muß ich sagen!“ rief die elfenhafte Huldin uns entgegentretend.
„Ja, da bin ich endlich“, brummte der Kollege, „und hier…“
Er vollendete nicht; denn die junge Dame schnitt ihm kurz das Wort ab:
„Wir haben lange auf dich gewartet, Papa, und die Mama ist sehr böse auf dich!“
„So? hm!“ brummte der Kollege, und „hm!“ sagte auch ich in der Tiefe meiner Seele.
„Komm her, Helene, wir wollen zusammen heimgehen“, sprach der Vater des schönen Kindes begütigend; allein die Elfe im Mondschein entgegnete noch kürzer:
„Ich danke, Papa; ich werde mit der Mama gehen. Da kommt sie schon und wird dir sagen, wie sie auf dich gewartet hat. Mama, hier ist der Papa endlich!“
Ei freilich, er war in der Tat hier, der Vater Löhnefinke, und er zitierte in diesem Augenblick keine deutschen Dichter und keine auswärtigen mehr. Aber ebenfalls durch den deutschen Mondschein kam die Mama heran, und zwar ziemlich rasch und energisch. Ich hätte mit Vergnügen Abschied genommen und mich empfohlen, ehe sie uns erreichte; doch der Kollege hielt meinen Arm mit einem wahren Landdragonergriff fest und flüsterte:
„O, ich muß Sie vorstellen, Freund. Wo wollen Sie hin? O
Kollege,erlauben Sie, daß ich Sie meiner Gattin vorstelle!“
Was konnte ich anders ausdrücken als die größte Sehnsucht, auch die
Kollegin kennenzulernen?