Die wenigen des Mitnehmens werten Habseligkeiten der ärmlichen Wohnung waren schon zusammengepackt; die bleichen, traurigen Gesichter der Eltern, das teilnahmlose der alten Großmutter, die auch heute noch am gewohnten Platz hinter dem Ofen spann, die Kinder, welche verwundert in den Winkeln kauerten, alles machte einen tiefen, wehmütigen Eindruck auf mich.

Es ist nicht mehr die alte germanische Wander- und Abenteuerlust, welche das Volk forttreibt von Haus und Hof, aus den Städten und vom Lande; welche den Köhler aus seinem Walde, den Bergmann aus seinem dunkeln Schacht reißt, welche den Hirten herabzieht von seinen Alpenweiden, und sie alle fortwirbelt, dem fernen Westen zu: Not, Elend und Druck sind’s, welche jetzt das Volk geißeln, daß es mit blutendem Herzen die Heimat verläßt. Mit blutendem Herzen; denn trotz der Stammzerrissenheit, trotz aller Biegsamkeit des Nationalcharakters, der so leicht sich fremden Eigentümlichkeiten anschmiegt und unterwirft, — worin übrigens in diesem Augenblick vielleicht allein die welthistorische Bedeutung Deutschlands liegt — trotz alledem hängt kein Volk so an seinem Vaterland als das deutsche.

In englischen Schriften läuft Deutschland öfters als „the fatherland“ κατ’ ἐξοχήν. Das wird zwar mit einem gewissen „sneer“ gesagt, aber es ist eine Ehre für unsere Nation, und wir können stolz darauf sein.

O, ihr Dichter und Schriftsteller Deutschlands, sagt und schreibt nichts, euer Volk zu entmutigen, wie es leider von euch, die ihr die stolzesten Namen in Poesie und Wissenschaften führt, so oft geschieht! Scheltet, spottet, geißelt, aber hütet euch, jene schwächliche Resignation, von welcher der nächste Schritt zur Gleichgültigkeit führt, zu befördern oder gar sie hervorrufen zu wollen.

Als die Juden an den Wassern zu Babel saßen und ihre Harfen an den Weiden hingen, weinten sie, aber sie riefen:

„Vergesse ich Dein, Jerusalem, so werde meiner Rechten vergessen!“

Die Worte waren kräftig genug, selbst die zuckenden Glieder eines Volkes durch die Jahrtausende zu erhalten.

Ihr habt die Gewohnheit, ihr Prediger und Vormünder des Volkes, den Wegziehenden einen Bibelvers in das Gesangbuch des Heimatsdorfes zu schreiben; schreibt:

„Vergesse ich Dein, Deutschland großes Vaterland: so werde meiner Rechten vergessen!“

Der Spruch in aller Herzen, und — das Vaterland ist ewig!