„Es scheint so! Fräulein Henriette, Sie wissen gewiß etwas Näheres davon?“

„Soll ich’s sagen, Lischen?“ fragt kichernd Henriette, ihre Freundin am Ohr zupfend.

„Meinetwegen!“ sagt Elise, mit einem Gesicht wie Menschenhaß und Reue einen Nachtschmetterling verscheuchend, der ihr um den Kopf flattert und mit aller Gewalt sich in ihren Locken fangen will.

„Er hat — Herr Gustav hat gesagt: — wenn er ihr nicht die Tänzer schicke und Propaganda (ich glaube so heißt’s) für sie mache, so würde sie — ihr Lebtag außer ihm keinen kriegen. Sie müsse daher hübsch dankbar und zuvorkommend gegen ihn sein und“ — —

Ein Ausruf des Entsetzens entringt sich allen.

„Abscheulich!“ ruft die Tante Berg. „Finis mundi!“ lacht der Rektor Dippelmann. „Schändlich!“ ächzt die Frau Rektorin; „Gräßlich!“ die Frau Dompredigerin. „Beim Himmel, das ist stark!“ meint ihr Gemahl. „Das hätte ich nicht gedacht!“ brumm’ ich. „Das soll er büßen,“ ruft der Professor Frey, „und“ …

„Er büßt es schon!“ sagt eine Stimme, und der Übeltäter guckt durch das Gebüsch hinter Elisens Platze. „Teilweise hat er es sogar schon gebüßt!“

Mit diesen Worten windet sich der Blasphemist vollends hervor, schiebt sich ganz sachte zwischen seine Mutter und Elise, die schnell nach der andern Seite rückt, wohin er ihr ebenso schnell folgt. Seinen Arm um sie legend, hält er folgende Rede: „Lischen, englische Cousine Ralff, ich beschwöre Dich, höre mich! — Glaubst Du etwa, ich habe, nachdem Du jenem Schauplatz eitler Freuden den Rücken gewandt, weiter gewalzt? Du irrst! Du irrst! Gute Werke habe ich getan, meine Schuld zu sühnen: den edlen Holzmann, — Holzmann, komm mal her und gib mir die Schachtel mit den feurigen Tränen! — den edlen Holzmann habe ich aus den Klauen des racheschnaubenden Krippenstapels gerettet; Fräulein Thekla Stichel habe ich aus der amüsantesten aller Lagen, oder vielmehr Sitzungen, emporgezogen; als mitten im Kontertanz dem Freiwilligen Breimüller der Steg riß und ihm die Unnennbare bis zum Knie hinaufschnurrte, habe ich ihm eine Droschke herbeigepfiffen; kurz überall, wo Tränen zu trocknen waren, war auch ich — wie gesagt, nur um meine Schuld zu büßen. Und hier, Lischen (Holzmann, gib mir die Schachtel), nicht allein getrocknet habe ich Tränen, auch gesammelt habe ich welche! — Sieh, Lischen!“

Einen Ausruf der Verwunderung und Freude stößt Elise trotz ihrem Groll aus, als ihr der Bösewicht den Inhalt seiner Schachtel in den Schoß schüttet, und unzählige, funkelnde, leuchtende Johanniswürmer um sie herum kriechen und schwirren.

Die Lampen sind weit genug entfernt, daß die Tierchen in ihrem ganzen Glanz erscheinen können, und es ist wirklich ein hübscher Anblick — diese besternte Elise!