„Da hättest du mich beinahe aus der Innerste auffischen müssen! Weshalb holtest du mich auch nicht herüber, Albrecht?“ rief die junge Braut schmollend.

„Die Innerste ist eine Kanaille, Jungfer Papenberg!“ sagte der Korporal Brand, und der junge Müller sagte:

„Dieses hier ist mein allerbester Freund in der ganzen Armee des Prinzen Ferdinand, Vater Papenberg. Er heißt Jochen Brand und ist aus der Bergstadt Grund im Harz. Den Weidenstrunk hol’ ich morgen mit dem Frühesten aufs Trockene, Lieschen. Er soll nicht wieder einen Menschen in die Versuchung führen. Aber jetzt kommt nur alle herein, wir wollen uns einen pläsierlichen Tag machen.“

Sie machten sich in der Tat einen guten Tag; seit langen Jahren hatte die alte Mühle nicht einen gleichen erlebt. Selbst der Meister Christian legte ein Feiertagsgesicht an, wie es die Mutter Bodenhagen seit ihres Sohnes Geburt nicht an dem Eheherrn gesehen hatte.

Der Vater Papenberg, seiner Natur nach ein vierschrötiger grober Bauersmann und sozusagen acht Tage in der Woche ein Flegel, hatte so fein und zutunlich wie heute auch seit langem nicht den Qualm aus seiner Tonpfeife der Stuben- und Tischgenossenschaft ins Gesicht geblasen. Es war ein jeglicher auf seinem Schick, und weder unter den Vettern noch unter den Basen ging das Wort aus, wenn auch der Witz dann und wann nicht allzu hell durch die Unterhaltung glänzte.

Und man hatte im Jahre 1760 allerhand Stoff, um darüber zu diskurrieren; der alte Fritz und sämtliche Völkerschaften Europas sorgten dafür.

Hier war denn der einarmige Invalide von Minden, der Korporal Jochen Brand, an seiner Stelle. Sie hörten ihm mit Erstaunen zu, und was er sagte, war auch meistens höchst erstaunlich. Da war kein Kriegsrat, in welchem er nicht mitgesessen zu haben schien. Wenn man ihn hörte, so verwunderte man sich nur, daß er heute hier in der Mühle an der Innerste am Tische sitze und nicht in einer der beiden großen Staatsmühlen zu Berlin oder Wien am Trichter oder Beutelkasten; und daß ihn der französische König und seine Hauptstaatsdame, die Madame Pompadour, nicht auch schon längst nach Versailles geholt hatten, das war gleicherweise unbegreiflich.

Im Winkel hinter dem Ofen saß aber Albrecht mit dem Lieschen. Sie sprachen am wenigsten, und ob sie alles, was die anderen sagten, vernahmen, das ist auch die Frage. Die Mannsleute rauchten allesamt, und so verschwand, als nun gar noch die Dämmerung dazu kam, das Brautpaar in seinem Winkel fast vollständig aus dem Gesichte der Verwandtschaft.

Weidlich aß und trank die Verwandtschaft, und der Meister Christian ging stets selber in den Keller nach dem Bier. Als aber die Blechlampe angezündet auf den Tisch gestellt wurde, da half es wenig, daß man den Docht mit dem an dem Kettchen hängenden Drahthaken soweit als möglich hervorzog; sie gab wohl auch ihr Teil Qualm zu dem vorhandenen Tabaksdampf her, aber die Helligkeit, die sie hervorbrachte, wollte wenig bedeuten. Doch aber hatte das rote Pünktchen in dem Nebel eine andere Wirkung: das Gespräch kam von Krieg und Kriegsnot auf das, was dergleichen blutig und brandig Elend vordeutet, als wie Kometen, Feuerkugeln, feurige Reiter und Wagen im Gewölk, greuliche Veränderungen an Sonne und Mond, wie jeder davon zu sagen wußte und solches erlebt hatte, sowohl vor dem Ausbruch des jetzigen Krieges, wie vor dem Angang des ersten und des zweiten schlesischen. Wußte doch sogar ein Altvater noch von den Wundern zu erzählen, die sich zur Zeit des vorigen französischen Königs im spanischen Sukzessionskriege und vor der Schlacht bei Belgrad ereignet hatten.

Davon war der Sprung klein auf das, was ein jeglicher für sein eigen Leben und Wesen an solchen Dingen als Mahnung und Warnung und Vorsage gesehen und gehört hatte, und der Vetter Hans aus Harsum meinte: