Der Hund tat ein paar Sprünge um seinen jungen Herrn herum, doch mit dem Suchen gab er sich weiter keine Mühe.
„Du hast nichts vernommen, Jochen?“ fragte der Haussohn.
Der Korporal fing an, einen königlich preußischen Kriegsmarsch zu pfeifen, brach nach dem ersten Gesätz ab und erwiderte:
„Dich möcht’ ich lieber als alles andere beim Laternenschein besehen, Bodenhagen — Musketier Bodenhagen! Die Innerste hat wohl nicht geschrien, wie der Alte vermeinte; aber die Doris da oben an der Innerste könnte wohl gelacht haben. Was meinst du, Albrecht?“
Der junge Müller lachte jedenfalls, doch es klang rauh, und die Dunkelheit verhinderte den Korporal, zu sehen, wie sein Kamerad zu dem Lachen die Hand ballte. Die Faust öffnete sich aber wieder, und Jochen Brand fühlte die Hand seines Freundes an seinem gesunden Arme. Der Müller zog ihn weiter von dem Hause weg um das Haus herum, über den Hof, durch den Garten.
„Wer hat Ihm das gesagt; oder hat Er es aus sich selber gesagt? Das mit dem Lachen? Jochen, es ist so; als der Vater sein Wort gerufen hatte und das Frauenzimmer in seinem Schrecken winselte, habe ich ein Lachen gehört. So wahr mir Gott helfe, es hat jemand in der Finsternis vor dem Fenster gelacht, und dabei war ein Knirschen — da — so — hörst du? — gerade so!“
Diesmal knirschte nichts, als zwei der Eisschollen, die sich auf dem dunklen, schläfrig dahinkriechenden Spiegel der Innerste aneinander rieben, und der Korporal spuckte deshalb erst verächtlich in den Bach hinein, dann aber sprach er ernsthaft genug:
„Musketier Bodenhagen, ich habe vieles erlebt in der Welt, und was am grimmigsten aussah, das wurde manchmal zum größten Spaß. Ich bin mit dem König, volle Feldmusik und fliegende Fahnen vorauf, dem Feldmarschall Daun unter der Nase vorbeimarschiert, und er sah schauderhaft genug herunter von seinem Berge und hinter seinen Schanzen und Kanonen hervor. Ich weiß Bescheid in der Welt, Musketier, und zwischen Morgen und Abend habe ich auch von Ihm genug gesehen und gehört, um zu wissen, wie es mit Ihm steht. Will Er nun einen guten Rat annehmen?“
„Wie von einem leiblichen Bruder!“ rief der junge Müller.
„So geh nicht wieder zurück in die Stube, Albrecht.“