„Vater, ich trage es nicht länger! Das Herz will mir vor Angst zerspringen!“

„Laß sie doch,“ murmelte der Greis. „Laß sie nur suchen. In meiner Jungheit bin ich auch mal dem Rufen nachgegangen, meinem Vater zum Trotz. Morgen früh — ja morgen früh soll jedem sein Recht werden; und jetzo, Freundschaft, guckt auf und kümmert euch um nichts. Schenk frisch ein, Mutter, die Innerste wird nicht mehr zum zweiten Male schreien; sie soll morgen früh ihr Recht haben!“

Die letzten Worte hatte der Alte selber mit schreiender Stimme gegen das Fenster hin gerufen, und nun tat er selber einen hastigen, wilden Trunk.

„Guck auf, Lieschen! Gevattersche Papenberg, bringe Sie das Kind wieder zu einem vergnügten Gesicht. Kümmert euch nicht mehr um die Innerste, Freundschaft, ich kenne sie und sie kennt mich, und sie hat nicht im Sinn, uns das Pläsier an diesem Abend zu verstören. Sie will nur ihr Recht haben, und das soll sie auch morgen mit dem Frühesten kriegen.“

„Wenn ich nur meinen Jungen von draußen wieder drin hätte!“ seufzte die Mutter Bodenhagen; aber da schnarrte der Alte wiederum höchst verdrießlich:

„Der Junge? Ja, der Junge! Freilich sagt man: was hängen soll, versäuft nicht, und zu meinem Wunder ist der Junge ungehangen von dem Volk nach Hause gekommen. Ach was, Gevatter Papenberg, trinke Er aus und lasse Er nur das Kopfschütteln. Frisch weiter mit dem Pläsier!“

Das „Pläsier“ war jedoch, was der Müller an der Innerste auch sagen mochte, verdorben und blieb so, und die Fröhlichkeit des Abends kam nicht wieder in Gang. Dagegen aber kamen von neuem die seltsamen Historien in die Höhe, und ein jeglicher wußte abermals das Seinige zu sagen von der Leine, der Ihme und der Innerste und selten etwas Gutes.

Die beiden Kriegskameraden blieben eine ziemliche Zeit aus; aber nicht einmal den wachsamen Hund Laudon, der mit ihnen auf die Suche und Jagd gesprungen, hörte man anschlagen, als ob er auf etwas Sonderbares gestoßen sei. Am besten wird’s sein, wir gehen ihnen jetzo nach; denn wenn sie in der naßkalten Dunkelheit des Abends auch nichts Merkwürdiges fanden, so haben sie doch allerhand Kurioses miteinander geredet; die Jungfern, denen wir erzählen, hören gern von dergleichen, zumal wenn es sie allesamt so genau angeht wie in diesem Fall. Es klingt nämlich durch die Nacht, das Rauschen des Mühlwassers und Wehen des Windes wie ein kurz abgerissenes Stück aus dem alten, alten Liede von der Treue.

Sie standen beide still, nämlich die zwei einstigen Waffenbrüder vor der Tür der Mühle, und ein jeder tat einen langen Atemzug in der feuchten Kühle dieses Februarabends.

„Puh,“ meinte der Korporal, „da merkt man erst, aus was für einem Backofen man kommt und was für einen Dunst die gute Freundschaft im Zusammenhocken prästieren kann. Eine Taternhöhle ist ja gar nichts dagegen! — Nun, Albrecht, steck die Laterne an, ohne eine Laterne kommen wir dem Spuk nicht auf die Sprünge! Sieh, der Sackville ist ja auch vorhanden, den können wir item gut gebrauchen. Such, such und bring, Mylord!“