Die Mutter Bodenhagen trug die Flasche und das Glas in das Haus zurück, und allesamt gingen sie, ein jeglicher an seine Geschäfte. Es gab viele Arbeit in der nächsten Zeit, und das war für alle gut, besonders aber für den Haussohn, denn dem flog’s recht häufig um Stirn und Nase, gleich einer lästigen Fliege, die weder zu fangen noch zu verscheuchen war.
Es ist gar nicht zu sagen, wie viele Leute sich auf die Hochzeit des jungen Müllers und der Jungfer von Papenbergs Hofe freuten und wie viele sich zu derselbigen geladen und ungeladen einfanden. Zu angesetzter Zeit, als die Welt wieder grün geworden war, fand sie statt, und es wurde eine große Lustbarkeit. Unter den ungeladenen Gästen fanden sich gottlob keine von denen, die Lieschen Papenbergs gute Freundinnen so gern aus den Feldlagern in Westfalen, Schlesien oder Böhmen hergebeten hätten. Die Sonne schien, die Geige schrillte, und der Brummbaß rumpelte dem Siebenjährigen Kriege und den Franzosen im Lande zum Trotze, und was das allerbeste war: die Innerste hat nicht die Pläsierlichkeit gestört, das Wasser hat nicht in die Lust hineingeschrien. Das war auch für sie, die Innerste, das beste; denn weder ein schwarz noch ein bunt Huhn wäre an dem Tage für sie auf dem Hofe zu finden gewesen. Groß und klein, jung und alt, waren sie in die Suppentöpfe gewandert — nicht ein einziges entging dem Messer der Hausmutter.
Und die Männer sagten alle, eine so saubere Braut wie das Lieschen sei im ganzen Fürstentum Hildesheim nicht zum zweiten Male zu finden.
„Ich suche auch gar nicht danach,“ sprach der junge Meister, und der alte Meister rieb sich die Hände und murmelte:
„Nun mag es doch noch gehen; in sichere Zucht ist er anjetzo mit Gottes Hülfe gebracht. Ich habe das Meinige an ihm getan, und wann er jetzo dem Stabe Sanft parieren wird, so tue ich vor Johanni noch ein letztes und gebe das Regimente ganz und gar ab. Der Alten wird’s auch so recht sein.“
So reden die Menschen von dem, was sie morgen — übermorgen — vor Johanni tun wollen! Der Hochzeitsjubel ist verstummt in der Mühle; den Brummbaß samt seinem Musikanten hat man am Morgen in zärtlicher Umarmung, und was den Musikanten anging, im tiefen Schlaf im Graben an der Straße nach Hohen-Hameln, und den alten Müller, den wackern Meister Christian Bodenhagen, in seinem Bette tot gefunden. Der Medikus aus Sarstedt hat ihn, den Meister, nachträglich zur Ader gelassen, jedoch ganz und gar vergeblich.
„Es ist eben, auch nach der Errichtung der Universität Göttingen, immer noch ein eigen Ding mit diesen Schlagflüssen, Mutter Bodenhagen,“ sprach der Doktor zu der in Tränen und Jammer aufgelösten alten Frau. „Zu schnell kann unsereiner nie kommen. Halte Sie sich an den Trost, daß im vorliegenden Casu die ganze medizinische Fakultät der Georgia Augusta nicht mehr ausgerichtet hätte als wie ich.“
Achtes Kapitel.
Auf einer Trommel saß der Held
Und dachte seine Schlacht,