„Jesus Christus, Vater, was ist? was ist los? was ist geschehen?“

„Ja, Vater, Vater, Vater!“ murmelte der Müller Bodenhagen; und drüben auf dem Weidenstamme hob der zerlumpte Kriegsmann den Dreiecker vom wirren Haarwulst, ließ ihn wieder fallen und sagte zwischen den Zähnen:

„Kotz Kreuz und tausend Schwadronen, hab’ ich nun eine Antwort oder nicht? Da geht der Dampf aus dem Schornstein, und ich meine, den gebratenen Speck bis hierher zu riechen. Hu, Speck und Eier, und gestern ist auch der Tag gewesen, allwo wir frisch backen! Der Teufel, im Lager zu Pirna konnte kein Sachs mehr Wehmut ausstehen, als ich anjetzt auf dieser hohlen Weide! Nun hält er Kriegsrat drinnen mit der Alten. O, Albrecht Bodenhagen, wie bist du heruntergekommen seit der Bataille bei Bergen!“

Er starrte auch in das Wasser nach den aufsteigenden Blasen und Perlen, und mit einem Male setzte er finsteren Auges die Zähne fester auf die Lippen, daß ihm das Pfeifenrohr zerbrach, und murmelte:

„Und da ist die Innerste wieder! Wie wär’s, wenn ich noch einige Tagemärsche dran aufwärts rückte und den Speck in der Pfanne an einem anderen Ort in die Naslöcher zöge? O, heulen möchte man, daß man so wenig geschickt ist für den Krieg und das Wandern. Sie würden alle lachen, wenn sie das wüßten!“

In diesem Augenblick ließ sich ein Weibergeschrei aus der Mühle vernehmen, und der Mensch auf der Weide stotterte:

„Die Alte! das war die Alte! jetzt weiß die Alte, wie weit es am Tage ist!“

Und es war so. Die Alte war’s, und die Alte wußte, wie weit es am Tage war. Sie kam durch den Garten, so hastig, als es ihr ihre fünfundsechzig Jahre erlauben wollten, sie streckte auch die Arme weit vor sich hin, doch durch eine Finsternis brauchte sie sich nicht zu tasten.

„Mein Sohn! mein Kind!“ kreischte sie; und drüben hatte der Soldat den preußischen Infanteristenhut abgenommen und hielt ihn in den Händen, und der Pfeifenstummel war ihm entglitten und in die Innerste gefallen.

„Frau Mutter, wenn Sie Gnade für Recht ergehen lassen will, und wenn der Herr Vater damit zufrieden ist, so komme ich über den Mühlensteg. Ich hab’ es satt in der weiten Welt, und den Krieg um Schlesien sollen sie unter sich allein ausmachen, und den Colignon, den Werber, den soll der blutige Teufel holen. Frau Mutter, will Sie mir heute wieder mit einen Teller auf den Tisch setzen? Den Geruch Ihres Specks, Frau Mutter, halte ein anderer aus, ohne zu schluchzen wie ein Kind: ich heule Ihr geradeweg was vor, wenn der Herr Vater mich nicht über den Steg am Mühlenschütt kommen läßt und mich weiter schickt zum Träberfressen und Schweinehüten oder zum General Freytag.“