Die Herde schluckt in seinen Bauch,

Den Hirten und die Hütte auch;

Wenn Jupiter der Menschheit grollt

Und schwarz Gewölk vom Pol her rollt.“

Drittes Kapitel.

Der Student hatte sich eben in solcher Weise die Ode seines römischen Poeten an den Gönner Mäcenas mundgerecht gemacht, als das Fährschiff das jenseitige Ufer der Weser erreichte. Mit einer höflichen Mützabnehmung und mit einem Kratzfuß lud Hans Vogedes den lutherischen Geistlichen ein, einzusteigen. Den Mönch von Corvey, den Bruder Henricus, grüßte er auch, doch um ein bedeutendes formloser. Was die alte Jüdin anbetraf, so machte er selbstverständlich Miene, vom Lande wieder abzustoßen, ohne sie mit nach Höxter hinüberzunehmen.

Der Mönch aber hatte ihr für ihr Geld zu ihrem Rechte verholfen, zu einem Sitze im Kahn, und auch der Prediger von Sankt Kilian war zugerückt, um ihrem Bündel Platz zu machen.

Nun schwamm die Fähre von neuem der Stadt zu. Die beiden geistlichen Herren saßen still, die Jüdin zusammengeduckt gleichfalls: der rohe Fährmann murrte bei seiner freilich nicht leichten Arbeit immerfort leise Schimpfworte vor sich hin und warf von Zeit zu Zeit einen verstohlenen Blick auf den Sack, der die Erbschaft der Kröppel-Leah enthielt. In der Mitte des Stromes fragte der Mönch:

„Wie geht es Euch da — zu Hause, Schiffsmann, seit das fremde Volk Abschied genommen hat?“