„Was wollt Ihr eigentlich noch, Monsieur, nachdem ich Euch meine Meinung so deutlich gesagt habe? Ist das eine Zeit für Narrenteiding? Sehet Euch um, ist das ein Schauspiel dem Auge, um dabei den Horatius abzuleiern? Sehet mir in das Herz; — in dem Hause Gottes haben die Fremden ihre Rosse gestallt; in meiner Kirchen haben sie ihre Bacchanalia gehalten! O rufet nur Evoë, Evoë, und lobet den Bacchus und die Venus, die —; greifet Euch doch in das eigene Herz; ist denn das Volk der Teutschen, das arme elende Volk — hauslos und dachlos hier und an so mancher anderen Statt — in der Lust und Begierde, des römischen Poeten geile Reime an sein schmerzend Ohr klingen zu hören?! Sehet um Euch, Mensch, und gehet und lasset mich meines Weges gehen; was hülfe es Euch, daß Ihr mit mir kämet? Auch bei mir würdet Ihr eine verwüstete Heimstätte und einen kalten Herd finden.“
Der geistliche Herr hatte eine Handbewegung um sich her gemacht, und was diese harte, magere, knochige Hand andeutete, das sah freilich trostlos genug aus.
Sturm auf Sturm war seit dem Jahre 1618 über das Höxtersche Weichbild hingefahren. Kein Chronist hat noch gezählt, wie oft dieser Ort, die Fährstelle und Brücke am großen Völkerübergang zwischen Ost und Westen dem Schwert und der Brandfackel anheimgefallen war. Aber die Ruinen, die wüsten Stellen, die Ärmlichkeit der wenigen wieder aufgerichteten Menschenwohnungen und diese in ihrer allerneuesten Verwüstung zeugten davon. Gleich einem verwesenden Körper lag die Stadt Huxar in dem grauen Abendlicht des Dezembers da, und die alten schwarzen Kirchen ragten wie das Knochengerüst aus dem zerfallenen Fleische der Stadt. Und die Gasse war voll des zerstampften Strohs, des Schutts, der Asche und Trümmer und stank auch sonst dem Heer des allerchristlichsten Königs übel nach; der Student hielt sich die Nase zu, schob den Hut von einem Ohr zum anderen und nickte:
„Bei den Göttern, es ist ein Elend!“
Das war es; aber das Laster saß eben doch zu tief im Blut. Herr Lambert zitierte wieder; wenngleich mit kläglichster Miene:
„Wem klagt das Volk des Reiches Fall,
Wen ruft es an mit Seufzerschwall?
Wen schickt uns Zeus als Rächer her,
Wem legt er in die Hand die Wehr?
Dein Licht verhüllt, schwing nieder dich,