„Ihr seid eben aus Merxhausen, Fährmann!“ Als worauf beinahe schon jetzt der allgemeine Judenprügel hier in der Kneipe zum heiligen Veit losgegangen wäre. Um aber die Erwiderung des Studenten und die Erbosung des Biedermannes Hans Vogedes vollkommen zu würdigen, bedarf es einer kurzen Erläuterung des Wortes.
Als nämlich der böse Feind, der Versucher, unsern Herrn Jesus Christus auf die Zinne des Tempels führte, sprach er zu ihm — nach einer Tradition, die sich an der Weser erhalten hat —: „Wenn du niederfällst und mich anbetest, soll dir dieses alles gehören, bis — bis auf Merxhausen und Sievershausen dort im Solling; — die beiden Dörfer behalte ich mir vor.“
„Aus Sievershausen bist du nicht, Tewes,“ brüllte Hans der Schiffer mit erhobener Faust, „aber deiner Ehrbarkeit wegen haben sie dich auch in Helmstedt nicht mit Fußtritten aus dem Tor gejagt. Du aufgeblasener Windsack, du Holzbock, willst hier und in jetziger Stunde einem braven Kerl aufmucken? Wahre deinen lateinischen Schädel, du Bettelstudent!“
Von oben bis unten betrachtete Meister Lambert sich den wütenden Strolch von neuem; dann trat er gleichmütig einen Schritt weiter an den Tisch, ergriff den ersten besten Krug, hob ihn an den Mund, ließ den Inhalt bedächtig die Gurgel herniederlaufen, seufzte, stieß das leere Gefäß mit einem Krach auf die Platte nieder und deklamierte mit vollem Pathos:
„Wie Lamm und Wolf befehden sich
Von Anfang an, so hass’ ich dich.
Denk du an den Ibererstrick
Und an die Striemen im Genick,
Item am Bein der Schellenring,
Monsieur, war ein beschwerlich Ding!