Als Herr Lambert Tewes von der letzten Bosseborner Laternenschlacht hörte, ließ er sofort los und streckte, um einem ganz andern Gefühl als seinem Mitgefühl Luft zu machen, die ausgespreiteten Hände hoch in die Luft.
Mit einem lauten Aufschrei fiel der Küster wieder auf das Gesicht; doch lustkreischend schrie der Student:
„Bei den unsterblichen Göttern, die Bosseborner Laternenschlacht! Ei freilich, Jordan, von dorther bist du’s schon gewohnt, den Mund voll der ernährenden Erde zu nehmen. Du kriegtest wahrlich dein gut Teil ab von der Prügelsuppe in der Küsterschlacht.“
„Aber es war doch eben eine Küsterschlacht!“ winselte Jordan Hunger, „eine katholische Küsterschlacht! wir schlugen uns doch nur unter uns selber um die Ehre Gottes; aber diesmal —“
Er vermochte es nicht, seinen Satz zu Ende zu bringen; jedoch der Student nahm ihm das Wort tröstend ab:
„Sei nur still, Alter, das Martyrtum ist auch um so größer.“
„Hu, das brauchst du mir wahrlich nicht zu sagen,“ stöhnte der Märtyrer, und während man ihn von neuem umwendet und fürs erste mühsam in eine sitzende Stellung bringt, können wir unseren Lesern mitteilen, was es mit der Bosseborner Laterne auf sich hat.
Heute geht das Ding als eine Sage um, mit welcher sie Die von Bosseborn vom Dorfvorsteher bis zum letzten Kossaten bei jeglicher passenden Gelegenheit bis aufs Blut, wie die eine Redensart, oder bis zum Schwarzwerden, wie die andere heißt, ärgern. Sie, die Bosseborner nämlich, sollen, von einer Hochzeit nach Hause ziehend, ihren Weg durchaus nicht mehr gefunden haben, sondern arg in Gestrüpp, Sumpf und Moor verloren gegangen sein. Da soll denn der Küster, der Nüchternste in der Gemeine (Sokrates beim Symposion Platonis!) ihnen geleuchtet haben, und zwar auf absonderliche Art. Man sagt, er habe einen Einfall gehabt, selber ein Licht unter den Umständen; er habe den Hemdenschwanz hinten aus den Hosen gezogen und niederhängen lassen, und der habe hell genug durch die Nacht geschienen, um der Bauernschaft als Laterne zu nützen. So sei der Küster von Bosseborn vorangeschwanket, ihm nach der Vorsteher, dem nach der Gemeinderat und dem wieder die torkelnde gemeine Bauernschar, im Gänsemarsche alles — einer hinter dem andern — ein ewig memorabler Zug bis ins Dorf hinein.
Die Geschichte ist gut; wenn ihr nur so wäre! Aber die Sache hat einen ganz andern und viel ernsthaftern Angang.
„Wann kompt in Sommer Sanktus Veit,