„Dafür haben sie ihn auch windelweich geschlagen, und er liegt unter seinem Seil. O Lambert, kommt und helft mir, laßt Euren besten Kameraden nicht umkommen. Sie sagen, das Stift sei auf dem Wege hierher; aber was hilft das mir, wenn sie mir meinen Mann vorher zunichte gemacht haben. Das leiden wir nun um Corvey!“

„Höxter und Corvey!“ jauchzte der Student, und dann ließ er sich von der Küsterin den Glocken von Sankt Nikolaus nur zu gern zu ziehen. Der Spaß war ihm in dieser Nacht eben überall in Huxar.

Weggelaufen war der unglückselige Monsieur Jordan nicht aus seinem Turmgewölbe während der Zeit, daß sein Weib hingegangen war, die barbarische Welt um Hülfe anzuschreien. Er lag unter seinem baumelnden Seile noch da, wie ihn seine nichtswürdigen Feinde und seine brave Gattin verlassen hatten, mit der Nase im Staube. Seine Schultern zuckten, er zappelte mit den Füßen und ächzte jämmerlich.

Mit der Nase im Staube! und der Student wußte sofort ein Zitat aus dem Horaz und trug natürlich dasselbe dem Unglücklichen, Geschlagenen erst lateinisch und sodann in freier deutscher Übersetzung vor:

„So stürzet der Tannbaum mit donnerndem Hall,

So liegt nun der Küster nach furchtbarem Fall!

Im Blachfeld des Teukrers, dem Feinde zum Raub,

Druckt itzt Don Bravatscho die Nas’ in den Staub!“

„Hu,“ winselte der Küster von Sankt Niklas, „bist du’s, Lambert? Ist meine Frau auch da? Hu, dreht mich um — um Gottes Barmherzigkeit sachte! vorsichtig, sachte. Die Teukrer, oder wie das Dorf heißt, waren es nicht; der Teufel vergelte es den Höxterschen Bösewichtern, die mich um der Kirche willen so greulich zugerichtet haben. O, o, o, das ist viel schlimmer als die letzte Schlacht um die Bosseborner Laterne — weißt du, Lambert, die vor drei Jahren, in der du auch einen Prügel führtest, obgleich es dich als lutherschen Ketzer gar nichts anging.“

Der Student hatte den Armen weich und vorsichtig unter den Armen gefaßt, während die Frau Küsterin die Füße gehoben hatte, um den halb Geräderten auf den Rücken zu legen; aber der Küster hatte zu seinem Schaden sein letztes Wort hervorgestöhnt.