Nun auf die Juden!“ Wer bei Sankt Niklas das Wort zuerst in die durcheinander tobende und im Unheil gemeinschaftliche Sache und Brüderschaft machende katholische und lutherische Menge warf, ist niemals historisch klar geworden. Wir haben unseren Freund, den Fährmann Hans Vogedes, im Verdacht. Gegen die Juden ging es; — hier war das tertium comparationis, wie der Helmstedter relegierte junge Weltweise sich ausdrückte, richtig gefunden. Der Pöbel hatte sich zuerst gegen das Haus des Meisters Samuel gewälzt, und Lambert Tewes war ihm selbstverständlich auch dorthin gefolgt.

„Ein unsterblich heroisch Poem werde ich schreiben und Professor der Eloquenz in Helmstedt werden. Bei Venus und Mars, die alten Perücken dort sollen mir nicht ohne Strafe das Consilium gegeben haben; als ein kaiserlich gekröneter Dichter will ich sterben! Diese trojanische Blutnacht haben mir die Götter eigens zubereitet. Es sei ihnen Dank gesagt!“

So schrie er, und sein Horaz schlug ihm im Laufen an die Schenkel. Wir wenden uns und sehen, wie die Kröppel-Leah und die kleine Simeath diese heroische trojanische Nacht bis jetzt hingebracht haben.

Sie hatten kurz vor Anfang des Lärms beide todmüde in das Bett des Sergeanten und das französische Kavalleriestroh kriechen wollen und waren natürlich nicht dazu gekommen. Mit einem Angstruf hatte das Kind den Fuß vom Bettrande wieder zurückgezogen:

„Horch, horch, was ist das, Großmutter?“

Es waren die Höxteraner vor der Pfarrkirche von Sankt Kilian.

„Laß sie rasaunen! Komm, Töchterlein, wir wollen uns wieder an den Tisch setzen. Lege deinen Kopf an mich. Wir wollen die Decke warm um uns schlagen, und ich will dir erzählen wieder von der alten Zeit,“ sagte die Großmutter, und die Enkelin kam. Sie kauerten von neuem zusammen vor der kleinen Lampe in dem kalten verwüsteten Stübchen.

„Unsere Könige waren Hirten in den Zeiten der Ehren. Aber die Herden weideten unter den Palmenbäumen — die Sonne des Herrn leuchtete, das Land unserer Väter duftete nach Myrrhen und Weihrauch. Sie waren große Krieger in glänzenden Panzern und schlugen Schlachten — sie fürchteten niemand — sie waren tapferer als jetzt irgendein Heerfürst —“