Es ging nicht. Sie mußten zu genau auf den Tumult vor der zerbrochenen Tür, vor den zerschlagenen Fenstern horchen. Auch die Greisin, die so viel Brand und Blut in ihrem Leben gesehen hatte, mußte horchen. Das stärkste und geprüfteste Herz lernt da nicht zu Ende.

„Sie werden auch auf uns wieder hereinbrechen!“ jammerte Simeath.

„Sie werden uns nichts nehmen können. Sei still, Liebchen, habe Mut! Ja, wenn noch der Riegel vorgeschoben wäre und das Haus reich, da wäre Grund zur Angst. Wenn das Haus noch wäre wie zu deines Urgroßvaters, meines Vaters, Zeiten, unscheinbar von außen, doch voll Güter drinnen, so möchten wir eher Furcht haben. Was wollen sie uns heute nehmen, da wir nichts weiter haben als unser Elend?“

„Sie haben jetzt auch nur noch das ihrige, Großmutter,“ sagte das Kind klug. „Weil sie diesmal so schlimm daran sind wie wir, sind sie so wild; und sie werden um so grausamer sein gegen uns, je weniger sie finden.“

„Der Herr Gott, der Gott unserer Väter, ist unser Schutz von der Welt Anfang an. Er wird seine Hand auch in dieser Nacht über uns halten, wie er sie seit fünftausend Jahren über sein armes Volk in der Prüfung gehalten hat. Wir sind dem Herrn zu Ehren noch immer da, was sie auch mit Marter und Bosheit gegen uns ausgeübt haben. Horch — es ist Triumph! Sie wüten jetzt gegeneinander! Sei still, Kind, es geht heute Nacht nicht gegen Israel!“

„Aber, Großmutter, sie haben dich nach Hause gehen sehen mit deinem großen Bündel. Du hast ihnen gesprochen von deiner Erbschaft, Großmutter,“ flüsterte die verständige Simeath.

„Die armen Lappen!“ rief die Alte, ihr Bündel unter dem Tische näher an sich heranziehend. „Wir sind gewickelt in die Decke von dem letzten Lager deines Oheims. Das ist aber das Köstlichste von der Erbschaft.“

„Wenn sie es glauben wollten, wären wir wohl glücklich, Großmutter,“ seufzte die Kleine, und — so war es, wie sie sagte.

Von Sankt Kilian gegen Sankt Niklas und von dort vorerst zum Hause des Meisters Samuel und seines frommen Weibes Siphra! Sie brachen ein und stahlen, sie schlugen den Hausherrn zu Boden und drückten seine Ehefrau gegen die Wand; sie schlugen auch seine jungen Kinder, da kein Küster mehr zu mißhandeln war, und alles ging drunter und drüber. Vergeblich wehrten Ratmannswachen und der Korporal Polhenne; — wie wir wissen, gab währenddessen der Stadthauptmann Meyer genau darauf acht, daß ihm seine Trommel nicht zum zweiten Male vom Braunschweigischen Oberstwachtmeister Noht abgenommen werde. Sie legten jetzo auch die erste Brandfackel an, und in dem Moment, als der letzte Mann vom Zuzuge des Stiftes Corvey in das Corveytor zog, schlug die Flamme aus den Fenstern, sprang der rote Hahn aufs Dach, reckte sich, schlug mit den Flügeln und krähte wild hinaus:

„Feuer! Feuerjo!“