An der Brandstätte hatte die Szenerie sich aber bereits verschoben. Im Ornate war Ehrn Helmrich Vollbort unter den Mönchen und städtischen Beamten aufgetreten und hatte scharf geredet, sowohl gegen den dunkeln Nachthimmel, wie gegen den Herrn Prior von Corvey, Herrn Nikolaus von Zitzewitz, und gegen den Münsterschen Gubernator und Stadthauptmann Herrn Meyer.
Er hatte um Rache für sein beleidigt Haus und seinen geprügelten Küster geschrien, und über die Schulter des Bruders Henricus hatte der Neffe seine rechte Freude an dem Oheim gehabt.
„Sie haben ja unseren Küster bei Sankt Niklas gleicherweise windelweich und blitzblau geschlagen, ehrwürdiger Herr,“ hatte der Prior eingeworfen. „Da ist doch wahrlich die vollkommene Parität vorhanden gewesen — was sollen wir in dieser Nacht bei solchen Umständen Ihnen noch zugute tun?“
„Stift und Fürstliche Gnaden von Münster haben immer nach Vernunft mit sich reden lassen,“ hatte Herr Florentius von dem Felde begütigend hinzugesetzt, „und —“
„Schlagt ihm vor, daß Ihr mich vor seiner Tür hängen lassen wollt,“ hatte der tolle Helmstedter dem Bruder Heinrich von Herstelle ins Ohr geflüstert.
Der Bruder Heinrich hatte das nicht vorgeschlagen, denn nunmehr hatte Herr Ferdinandus von Metternich, der Propst von Corvey, Vernunft gesprochen und wirklich verständige Dinge gesagt.
Es sei eine üble Nacht, hatte er gemeint. Niemand wisse, wie er daran sei. Morgen sei wieder ein Tag — totgeschlagen sei gottlob und mit Hülfe des heiligen Veit bis jetzt keiner; — die Übeltäter habe man auf dem Stroh im Prison, und selbst die Juden seien noch mit dem Leben davongekommen, soviel man wisse. Wer am meisten bei der greulichen Unruhe gelitten habe, das sei doch wohl das Stift Corvey, das nun auch noch zu allem übrigen den schlimmen Marsch nach Hause vor sich habe. Er — der Propst — hatte zum Schluß seiner Rede geraten, jetzt vor allen Dingen wieder zu Bett zu gehen und für alle Fälle vielleicht eine Salveguardia, gemischt aus Corveyscher Mannschaft und Bürgerwachten, in der Stummerigenstraße zurückzulassen.
„So soll es sein!“ hatte der Prior geschlossen, und zehn Minuten nach seiner Ankunft vor dem Hause des Meisters Samuel befand sich das Stift bereits wieder im eiligen Rückmarsche nach den warmen Betten.
„Hoffentlich hat uns der Vater Adelhardus, während wir die Philister schlugen, ein gutes Warmbier zugerichtet,“ flüsterte der Subprior dem Propst unter dem Corveytor zu.
Dem mochte nun sein, wie ihm wolle; zornigen Herzens schritt doch noch der Pfarrherr von Sankt Kilian im eifrigen Gespräch mit dem Bürgermeister Thönis Merz auf und ab und warf finstere Blicke auf den guten Bruder Henricus. Diesen letzteren nebst einigen handfesten Klosterknechten hatte die Abtei zurückgelassen, um sich von ihnen bei möglichen ferneren Ereignissen kriegstüchtig vertreten zu lassen; und während der lutherische Pastor aufgeregt hin- und widerschritt, stand der greise Mönch in dieser Stummerigenstraße im Lichte der Feuersbrunst nachdenklich auf sein hussitisch Schlachtschwert gestützt und gedachte früherer Tage. Der Student hielt sich zu ihm und zog ihn jetzt am Ärmel seiner Kutte.