„Sie lachten auch in des Tilly Hauptquartier allhier zu Höxter; Merode lachte, Dem von Piccolomini wackelte der Bauch, und der Savelli schüttelte sich unter seiner großen Perücke. Es gefiel ihnen allen die Art, wie Just von Burlebecke die Stadt genommen hatte. Ich lag damals bei dem Stadtschreiber und hab’ sein Protokoll mir zeigen lassen. Es war ein erbärmlich Gekritzel und Gekratz, gerad ob als die rote Ruhr mit dem Hasenfuß bei seinem Federkunststück am Tische gesessen habe. Und Just als ein wackerer Kavalier hatte auch seinen Namen darauf gehauen, und der ging über die halbe Seite und jede Überschrift von Bürgermeister und Ratmannen dick und schwarz weg wie ein Kürassierregiment durch ein Erbsenfeld. Einen ganzen Abend hat mir der Stadtschreiber von dem Rittmeister Just erzählen müssen; — wie sie ihn unter dem Gaule vorzogen, wie sie ihm den Rock bürsteten, wie der eine mit dem Pistol kam, das er dem Gemeindemeister an den Kopf geworfen hatte, wie der zweite den Degen brachte, der ihm im letzten Ringen abhanden gekommen war, und wie der Hader und das Blutvergießen in eine Festivität auf dem Rathause auslief. Ja, den ganzen Tag hat man getafelt und getrunken zu Ehren Justs von Burlebecke und seiner Reiter — den tollen Christian eingeschlossen! Da haben sie Brüderschaft gemacht und sich mit tränenden Augen in den Armen gelegen, der Bürgermeister von Höxter und Just von Burlebecke, und am Abend hat man der Stadt Judenschaft angehalten, den guten Kavalieren eine Reiterzehrung zu zahlen, und sie mit Triumph, der Stadt Musici vorauf, vor das Tor gebracht und sie mit einem höflichen Complimentum an die Fürstlichen Gnaden von Halberstadt ihres Weges reiten lassen, und nicht einer hat sich um diese Stunde so fest auf dem Gaule gehalten wie am Morgen beim Einsturm ins Stummerigentor.“

„Ich hab’ doch auch schon manche Tür im Sturme genommen, aber so galant hat mich noch nie ein hochedler Senat oder Magistrat darob traktiert,“ sagte der Student lustig-kläglich; und in diesem Augenblick erscholl das erbarmungswürdige Weibergeschrei aus dem Hause, vor welchem vordem Just von Burlebecke unter den Fäusten von Huxar an der Weser gelegen hatte. Wir wissen, wer da schrie.

Zwölftes Kapitel.

Sie stutzten alle in der Gasse, vor allen übrigen jedoch der Mönch und der Student.

„Sankt Veit,“ rief der Bruder Henricus, „will die Mordnacht nie zu Ende gehen? Hier, hier Corvey!“

Er eilte gegen das Haus, aus welchem der Schrei hervordrang, und von den Klosterknechten sprangen auch schon einige von der Brandstelle her.

Der französische nachgelassene Unrat lag vor der Tür der Kröppel-Leah in höheren Haufen als sonst irgendwo in Höxter, und ehe der Bruder Studio dem Bruder Heinrich von Herstelle mit einem Sprung über den Unflat nachfolgte, schwang er natürlich den Hut in die Luft und jauchzte:

„Itzt, römscher Jüngling, zuck dein Schwert

Und sei der edlen Eltern wert;