Nun singt sie, nun schlägt sie die Laute mir fein;

Zu doppeln ihr Leben setz’ meines ich ein.“

Da wir mehr mit dem jungen Mann zu tun haben werden, so wollen wir sofort sagen, wie er hieß, wer er war, und wie es mit ihm stand.

Mit Namen hieß er Lambertus Tewes, er war der Schwestersohn Ehrn Helmrich Vollborts, des Predigers zu Sankt Kilian, und seines Zeichens war er leider ein vor acht Tagen von der berühmten Universität, der Julia Karolina zu Helmstedt, relegierter Studiosus der Jurisprudenz. Sein Alter belief sich auf neunzehn Jahre und vielleicht ein halbes drüber; sonsten war er heute wahrscheinlich der einzige Mensch vergnügten, wohlwollenden und unbesorgten Gemütes in der Stadt Höxter an der Weser, und der sich auch dergestalt natürlich gab. Zu der schmauchenden Wachtmannschaft trat er heran, um sich Feuer auf seinen Tabak geben zu lassen; zu versäumen hatte er sonst nichts und sah es gern, wenn man ihm irgendwo, wie zum Exempel hier, augenblicklich Platz auf der Bank machte.

„Rück zu, Schulkamerad, wenn du nichts Besseres vor hast,“ rief einer von der lutherischen Wacht, der mit dem Studenten vordem dem Höxterschen Scholarchen durch die Hände gelaufen war. „Willst du aber über die Weser, so wird dich Hans Vogedes sogleich mitnehmen und sogar umsonst, das heißt, für ein Stück Latein aus deinem Tröster, während er das Schiff löst. Nicht wahr, der Handel gilt?“

„Nicht wahr? Ei so!“ lachte der verwilderte Helmstedter Bursch. „Du fielst der alten Mutter Philosophia freilich eher aus der vielgeflickten Schürze, als sie dich in den römischen und griechischen Topf schütteln konnte! Nun, du hättest den Höxteranischen gelehrten Sauerkohl auch nicht fetter gemacht.“

„Meister Polhenne, er fängt an, die Gemütlichkeit zu stören, sowie er kommt. Man kennt deine Redensarten, du Träbernfresser.“

„Ruhe auf der Wacht. Magister Lambert, haltet den Mund; und Ihr, Schuster Kappes, das Maul! Sonsten aber stimme ich auch für ein Stück aus dem alten Heiden,“ brummte der Korporal Polhenne.

„Gefällt Euch der alte Heide so gut, Korporal?“

„Hier am Ort ist niemand, der es da Euch gleich tut. Das Latein kommt immer mehr ab in der Welt. Jesus, wenn ich an meine Jugendzeit denke, und wie sie da es uns von den Kanzeln an die Köpfe warfen!“