Nach Mittag inspizierte der Corveysche Gubernator und bischöflich Münstersche Hauptmann Herr Meyer wieder einmal die Wacht am Brucktore und warf spähende, argwöhnische Blicke über den Fluß nach dem verdächtigen, nebeligen jenseitigen Ufer; er traute dem Oberstwachtmeister Noht immer noch nicht, und dieser heimtückische Nebel war ihm äußerst unbehaglich. Der alte Fluß rauschte und grollte wie gestern über die zertrümmerte Brücke fort; doch ein neuer Fährmann war bestellt worden und zwängte seinen Weg, keuchend, wie gestern Hans Vogedes den Wassern ab.
Der Fährkahn schwamm auf der Weser, und in ihm stand, mit einer Scholarenzehrung des Stifts Corvey in der Tasche und seinen Horaz unter dem Arm, der Student Lambert Tewes und schwang den Hut dem Bruder Henricus zu, der dem tollen Lateiner wohlwollend nachwinkte. Der Student ging doch nach Wittenberg, obgleich er den Keller des Vaters Adelhardus kennen gelernt hatte.
Nun trat eben der Hauptmann zu dem Bruder Heinrich von Herstelle, ihn zu begrüßen; und der Bruder wendete sich zu ihm und sagte:
„Über Sie ist noch geredet im Konvent, Herr Gubernator. Man wird Sie bei erster passender Gelegenheit Seiner fürstlichen Gnaden von Münster zur Promotion vorschlagen, zum Avancement.“
Da lächelte der Hauptmann gerührt und meinte:
„Ein Gnadengehalt, vielleicht mit dem Titul Major, wäre mir wohl das Annehmlichste. Ich bin und bleibe ein halber Mensch seit der verfluchten Trommelgeschichte.“
Der alte, tapfere Mönch zuckte die Achseln und blickte wieder seinem Freunde Herrn Lambert nach.
Zu dem sagte eben, als der Kahn drüben ans Ufer stieß, der Fährmann:
„Du willst also doch nochmalen in das gelehrte Wesen hinein, Tewes? Tu’s nicht; laß dir raten, bleib in Höxter. Wir stehen alle zu dir und machen dich seinerzeit zum Burgemeister, du passest uns ganz und gar auf den Leib.“
Da lachte der Student und zitierte noch einmal den Flaccus, doch jetzt nicht in schlechten Reimen, sondern, wie er meinte, in guter poetischer Prosa, selber verwundert ob des klassisch-melodischen Tonfalls: