„So hast du denn wenigstens ein ehrlich Soldatengrab gekriegt, Jens, und Gott schenke dir und uns allen eine fröhliche Urständ! Wir haben unser Bestes getan, Messieurs, und für jetzt das Beste gewonnen; aber — Bleichfelde, nehme Er Vernunft an; gehe Er morgen mit mir und meinen Füsilieren nach Norwegen. Bringe Er Seinen eigenen Leichnam in Sicherheit, Famule; gehe Er mit uns nach Friedrichshall; die Kommodité soll seit der schwedischen Berennung Anno Achtzehn mächtig zugenommen haben; ich geb’ Ihm meine Parol, auf Fort Güldenlöwe soll Er sitzen wie in Abrahams Schoß, und wir wollen lachen über das Krächzen und Flügelschlagen jenseits des Wassers.“

„Seine, meine Bibliotheka!“ seufzte der Famulus. „Die zwotausend Reichstaler lass’ ich hinter mir wie einen Sack Nüsse; aber hat er Raum an Bord für Opera omnia Lutheri, Melanchthonis, Brentii, Walleri, Erasmi, Clerici, Calvini, Cocceii, Launoii …“

„Hör Er auf, hör Er auf!“ schrie der Obrist.

„Hat er Platz für des Cornelii a Lapide Bibelkommentare, sechszehn Folianten? Hat Er —“

Herr Benediktus von Knorpp hielt sich beide Ohren zu, und stiefelte eilig über die Gräber der Kirchhofspforte zu, und verdrießlich folgte ihm der isländische Doktor. Der arme Famulus stand allein an dem traurigen Grabe des Kurators Jens Pedersen Gedelöcke, schlug die Hände zusammen und rief:

„O mein guter Patron, mein Freund, mein Vater, was werden sie aus mir machen? Was soll ich ohne Ihn anfangen in dieser ärgerlichen giftigen Welt? O Herr Kurator, Herr Kurator!“ Auf den Zaun des Garnisonfriedhofes aber legten sich zwei hagere, haarige, knochige Fäuste, eine lange, schwarze Gestalt hob sich auf den Zehen, und eine spitzige, gerötete Nase roch in den Nebel hinein.

„Ei, ei! so, so, Monsieur Bleichfeld,“ sprach Meister Jesse Brägge, der Küster der Trinitatiskirche. „Solches wird man freilich ein Begräbnis Jojakims nennen! o profanatio, was werden wir dazu sagen im hochwürdigsten Konsistorio! Hat man Ihn, Monsieur? Ei, ei, ei, das war freilich ein lieblich Werk und wird einen guten Geruch geben.“

VI.
Von der Stadt Friedrichshall, der Feste Friedrichstein und dem dänischen Postschiff.

Im Norwegenschen Amt Smaalehnen, Stift Christiania, an der Mündung des Tistedal-Elfs in den Idefjord, Swinesund, liegt die Stadt Friedrichshall und daneben auf einem dreihundertundfünfzig Fuß hohen Felsen die in alle Zeiten berühmte und berüchtigte Feste Friedrichsstein mit ihren beiden Forts Oberberg und Güldenlöwe, vor welchem letztern, wie jedermann weiß, in der Nacht vom elften auf den zwölften Dezember 1718 der tapfere König Karolus, des Namens der Zwölfte, von einer Falkonetkugel durch den Kopf getroffen, das Leben ließ, und Schwedens Macht und Herrlichkeit ein jäh und schrecklich Ende nahm. Wir setzen den Fuß auf diesen hochtragischen Boden im Herbste des Jahres 1731, als Herr Benediktus von Knorpp Kommandante auf Friedrichsstein war, und noch sind nicht alle Spuren der schwedischen Belagerung in der öden, felsigen Umgebung verwischt. In diesen wenig bevölkerten, rauhen Gegenden hielt es schwer, selbst nur das Notwendigste wieder aufzurichten, und überall zeigten noch die Rudera verbrannter oder zerschossener Gehöfte, die zu Laufgräben und Schanzen aufgewühlte Erde, wie Bellona hier Hof gehalten hatte. Wie Trauerflor überzog das dunkle Gewölk den Himmel, mit klagendem Getön fuhr der Wind über Land und Sund: immer noch schwebte über den schwarzgrünen spiegelnden Wellen, dem düstern regungslosen Felsen und den Ruinen das Gespenst des gloriosen, wilden, nutzlosen Daseins, das hier in dieser Einöde, nach so gewaltigem Lärm und Leuchten in der Welt, in nichts versank; — noch immer schien die königliche Leiche mit der blutigen Stirn unter den Mauern von Güldenlöwe zu liegen, und die frostige, graue Landschaft nur die Trauerdekoration des schwedischen Niederfalls zu sein.