Auf einer Bastion der Festung, von welcher aus man eine weite Aussicht über den Swinesund, die Stadt und die Berge hatte, stand an ein Wallgeschütz gelehnt der Kommandant, und neben ihm sein Regimentsdoktor Herr Snorro Skalholt der Isländer; während eine Schildwacht, ohngefähr zwanzig Schritte ab, mit geschulterter Muskete auf und nieder ging. Beide, der Gouverneur wie der Feldscherer, gähnten sehr, und dann sprach der Herr von Knorpp:

„Daß man am Abend, wann man die Nachtmütze über die Ohren ziehet, seine Kinnladen noch beieinander findet, ist doch ein Mirakul, Meister Snorro; und wann man hier vom Parapet herunterguckt, pfui Teufel, man möchte der ganzen zahmen, lumpigen, lausigen Welt auf den Kopf speien. Aus Wams und Hosen möchte man fahren vor Ungeduld! ’s war doch eine andere Zeit, als vor dreizehn Jahren der tolle Karl sein Hauptquartier da drüben zu Tistedalen hatte.“

„Gebe Er Frieden, Kommandante; was hilft Ihm der Skandal und Lärmen? Die Jahre ziehen einem jeden zu seiner Zeit die Stiefeln aus,“ sagte der Isländer. „Sollte doch vermeinen, Er hab’ der wilden Wirtschaft genug gehabt in den dreißig Jahren, welche hindurch Er mich hinter sich fortschleppt! Man wird eben alt und kahl und — plus le singe s’élève, plus il découvre — Ihr wisset wohl, was. Sat, satis! was fehlet dem bescheidenen, friedlichen Sinn und Gemüt allhier auf dieser hochgelobten königlichen dänischen jungfräulichen Feste Friedrichsstein? Lasse Er mir und lasse Er ihm selber Ruhe, das Postschiff kommt heut auch von Christiania, und ich für mein Teil verlange nicht mehr von dem theatro mundi zu erfahren, als was es uns in seinem Neuigkeitensacke mitbringt.“

„Jawohl, das Postschiff, das ist auch solch ein leidig Labsal,“ brummte der Oberst. „Was spinnen und haspeln sie anders, als ihre elende pragmatische Sanktion! Wann der richtige Tanz darob beginnt, Meister Snorro, werden wir zwei beide wohl still genug liegen. Na, wie ist’s mit dem Schiffe, Mann?“

Diese letzte Frage galt der Schildwacht, welche salutierend den Kolben der Muskete auf den Boden stieß und prompt rapportierte:

„Lief vor einer Viertelstunde allbereits in den Fjord!“

„Bon,“ sagte der Kommandant, „steiget hernieder, Doktor, ich glaub’, wir haben für diesmal genug von diesem angenehmlichen point de vue; man kennt die Kuriosität zur Genüge. Was gibt es, Korporal?“

Der aus dem Innern der Festung emporsteigende Unteroffizier richtete sich ordonnanzmäßig und griff an den Hut:

„Hab’ dem Herrn Gouverneur zu vermelden, daß von der Stadt ein Subjektum sich heraufgeschleppt hat, so mit dem Boot von Christiania angelangt sein will, und am Tor in Ohnmächtigkeit verfallen ist. Sitzet miserabel jetzt in der Kommandantur, winselt nach dem Herrn Gouverneur, — halten zu Gnaden, ein erbarmungswürdig Stück Menschheit, — nennet sich Monsieur David Bleichfeld, und —“

Mit offenem Munde blickte der Korporal Peter Pomperson seinem Vorgesetzten und dem Doktor Skalholt nach.