»Sie sagen das mit einem eigentümlichen Tone, lieber Freund. Weshalb wissen Sie nicht mehr oder wollen, wie der Meister, nicht mehr von ihr sagen, als was sich in ein kahles, mattes >Soll< legen läßt?«
Da faßte der Verwundete hastig meine Hand, zog mich näher zu sich heran und flüsterte mir zu:
»Sie haben eben davon gesprochen! Ich hatte damals recht; aber es war schon zu spät! Was half es mir, daß ich den Unglücksstein in der Hinterlassenschaft des alten Sünders fand? Herrgott, was ist aller Nebenwind auf See gegen den, welchen der Flutwechsel auf dem Lande bringt! Das hat auch Gertrud erfahren! Aber es mußte so sein, denn wenn wir ihn meilenweit weggetragen und ihn dann in hunderttausend Stücke zerschlagen hätten, so würde es nichts geholfen haben. Das Unglück ist auf dem Platze geblieben, hat das Wasser in dem Weiher vertrieben und die Bäume vergiftet! Es war eben der Stein der Abnahme, und er allein ist schuld daran, daß die arme Gertrud uns, mich und das alte, liebe Leben aufgegeben hat. Ach, Herr von Schmidt, Sie, der Sie viel unter die Leute kommen, werden ihr gewiß begegnen, und wenn Sie ihr begegnet sind, dann wollen wir — ich und der Meister Autor Sie fragen, wie es unserer Gertrud Tofote geht!«
Ich fragte heute nicht weiter nach der jungen Dame. Fürs erste wußte ich genug und ging wieder ziemlich melancholisch und verstimmt nach Hause, bald nachdem die weiße blauäugige Muhme hereingekommen war, um meinen Platz am Schmerzenslager des Neffen einzunehmen. Doch, — auf eine Frage geriet ich noch und erhielt auch Antwort darauf.
Der Unglücksstein mußte freilich gewirkt haben, und es war nur ein Glück, daß jetzt die neue Straße auch über ihn hinwegführte, und er also auf Nimmerwiedersehen begraben worden war und keinen weitern Schaden mehr anrichten konnte. Ich bemerkte dergleichen, und der Kranke richtete sich von neuem empor und rief kläglich in seinem Fieber:
»Wissen Sie das gewiß? Ich nicht!… Wer kann sagen, wer ihn aus dem Teiche auffischte? wer weiß, wer ihn voller Vergnügen mit sich nach Hause nahm, als das Wasser des Tümpels abgelassen worden war, und der Schlamm offen zum Durchwühlen dalag? Man soll absonderliche Kuriositäten in dem Schlamme gefunden haben; ach, Herr von Schmidt, und fragen Sie nur den Meister Kunemund danach, der wird's Ihnen schon sagen, daß das Unglück sich nicht so leicht verbraucht in der Welt. Was Schaden bringt und Unheil stiftet, hat meist immer eine gute Gesundheit. O, es wird sicherlich jemand das Ding wiedergefunden haben und dafür büßen müssen!«
»Wir wollen es nicht hoffen,« sagte ich, und dann tat ich meine letzte
Frage, als die Muhme Schaake bereits auf meinem Stuhle saß.
»Noch einer! Da war noch ein Erbstück des Mynheer; — der Mohr, der — wie hieß er doch? der Signor Ceretto! Lebt er noch, und was ist aus ihm geworden?«
»O der Nigger!« rief der Steuermann, und trotz allem Elend und Jammer ging ein Lächeln über sein Gesicht. »Ei freilich lebt der noch und gottlob dazu gesagt! Sie, unsre Gertrud schleppt ihn mit sich herum; er gehört zu ihrem Haushalt, wenn er das vielleicht auch nur seiner Farbe zu danken hat. Wissen Sie, lieber Herr, wenn Sie dem Fräulein begegnen, dann werden Sie auch wohl den Nigger zu Gesichte kriegen, und, bitte, dann grüßen Sie ihn recht schön von mir!«
Siebenzehntes Kapitel.