»Vielerlei. Das heißt, wahrscheinlich sehr vieles; — vor allem andern aber wünscht sie, daß Sie die Freundlichkeit haben möchten, morgen abend eine Tasse Tee bei ihr zu trinken.«

»Mit Vergnügen!« sagte ich, zustimmend das Haupt neigend. »Der Wunsch mag dem Kinde in Erfüllung gehen; aber, Freund, da ich Euch habe und halte, lasse ich Euch nicht eher wieder, bis ich — ein wenig genauer weiß, wie Euer Leben verlaufen ist, — seit — seit jenem Tage, an welchem Ihr uns über Mynheer van Kunemunds Gartenhecke aus unserm Suchen nach der Erbschaft Mynheers in dieselbe hineinwinktet.«

»Ich habe eben mit zu der Erbschaft Mynheers van Kunemund gehört, mein
Herr.«

»Wahrhaftig! und Sie und unser schönes naives Waldkind wohnen mit der Frau von Wittum unter einem Dache. Der Förster ist tot, der Meister Autor haust einsam und geheimnisvoll in seines Vaters Hütte, und Herr Vollrad von Wittum kommt von Berlin, um sich der Gertrud vorzustellen zu lassen: weshalb, weshalb und hundertmal weshalb dieses alles?! Wir leben in Tagen, denen es auf eine genaue Einsicht in die Dinge überall im hohen Grade impertinent ankommt, und Sie, Ceretto, sind der Mann, der diesmal hier die nötige Aufklärung geben kann. Nehmen Sie eine Zigarre!«

Der Alte griff dankend in das angebotene Kistchen und sagte lächelnd:

»Wenn ich nur das erzähle, was ich weiß, so nehmen Sie mir dieses wohl nicht übel?«

»Die Frage tut man auch nur an einen, den man bereits genauer kennt. Ich werde es nicht übel nehmen; aber Ihr habt Glück, Wichselmeyer; Tausende würden es sehr übel nehmen und allem Eurem Widerstreben zu Trotz alles Mögliche in Euch hineinfragen.«

»So ist es,« sagte der Schwarze, »kommen wir also wie alles Gute und Verständige schnell zu Ende. Es war ein zierlich, einfach, niedlich Ding, Herr, was Sie in unsern Garten einführten, und es kam in glücklicher Begleitung, aber es ging unsichtbar hinter ihm etwas, was nicht zur Gesellschaft gehörte, was sich aber, wie Sie wissen, merkwürdig fein und frech aufzudrängen versteht, bis es alles, was es nicht auf dem Wege vor sich brauchen kann, richtig und ruhig im Graben hat. Wir aus der Bedientenstube sehen es häufiger, als die Herrschaften meinen, die Treppe hinaufschleichen; und wenn wir es zu melden haben, oder ihm nachher in der Garderobe den Überrock hinhalten oder den Schal umhängen, so zahlt es meistens durchaus nicht die schlechtesten Trinkgelder.«

»Signor Ceretto, Ihr seid ein großer Mann!« unterbrach ich in vollster
Bewunderung.

»Das heißt, wir haben die Jahrmärkte und Messen bezogen, sind alt geworden und jung geblieben — Herr, man kann das letztere auch, ohne auf dem Markte ausgestanden zu haben — der Herr Autor Kunemund kann sich in der Hinsicht auf das Aushängeschild malen lassen — na wie ist's, was das anbetrifft, darf man Sie doch mit der Trompete vor die Bude schicken?«