Über ein Sterbebett läßt sich im Grunde immer wenig sagen; wenngleich manches darüber denken. Der dunkle Pilot hatte eben Abschied genommen; — Willkommen in See! war das letzte Wort gewesen, das ich meinesteils von dem guten Steuermann Karl Schaake vernommen hatte. Die rote Tonne lag in Wahrheit hinter dem seefahrenden Manne, und klare Kimmung war vor ihm. Was half es am Ufer zu stehen und mit den Sacktüchern nachzuwinken? Ich führte das Fräulein nach Hause; — vom Uferdamm nach Hause.
Der Meister hatte den trüben Bericht der Greisin angehört und das weiße Tuch wieder über das Gesicht des toten Seemanns fallen lassen; dann hatte er sein »Kind« in die Arme genommen und es herzlich geküßt und manch ein Schmeichelwort zu ihm gesprochen. Die schöne Elfe hatte herzzerbrechend dabei geschluchzt und einmal übers andere dazu gerufen:
»Das ist so fürchterlich, so traurig-schrecklich! o morgen wirst du doch zu mir kommen? nicht wahr, morgen früh kommst du gewiß zu mir?«
Und der Meister hatte eben so oft gesagt:
»Ja freilich! freilich!« und dann hatte er sich zu mir gewendet: »Wollen Sie so gütig sein, das arme Ding nach Hause zu bringen. Es ist eine schlimme, schwere Luft hier, und mit dem Halunken, dem Ceretto, allein möchte ich das Kind doch nicht wegschicken. Es gehört Geschick dazu, mit Menschen in Verwirrung gut umzugehen! Bitte, bringen Sie das Trudchen jetzt nach Hause!«
Ich war natürlich bereit dazu, wenn ich gleich ohne alle Besorgnis die junge Dame dem schwarzen Philosophen anvertraut haben würde. Wir gingen, fast ohne Abschied zu nehmen; unser Trudchen befand sich dazu in der Tat allzusehr in Verwirrung, und vor dem toten Mann fürchtete sie sich heftig. —
Die Straßen waren jetzt ganz leer, und wir hatten auf unserm Wege die alte Stadt so ziemlich für uns allein. Die wenigen Nachtschwärmer, die uns dann und wann begegneten und die Ruhe und den Frieden der Nacht durch ihre Heiterkeit um so bemerklicher machten, hielten sich mit dieser Heiterkeit an den Freund Ceretto, der in bescheidener Entfernung gelassen hinter uns drein wandelte und in der richtigen Weise auf jegliche Ansprache einzugehen wußte. Indem ich nach besten Kräften das Fräulein unterhielt, horchte ich doch stets halben Ohrs auf diesen schwarzen Mohren. —
»O was ist das für eine Nacht! ich werde mich mein ganzes Leben lang nicht wieder zufrieden geben können!« schluchzte die Elfe.
»Es ist freilich ein trauriger Fall; aber wir müssen uns doch zu beruhigen suchen, mein Fräulein,« tröstete ich. »Der arme junge Mann hat recht gelitten — für seinen Beruf war er untauglich geworden; vielleicht war es doch das Beste —«
»Natürlich war es das!« brummte hinter uns der schwarze Signor. »Es konnte ihm gar nichts Angenehmeres passieren! man kennt die Redensarten; — nicht wahr?!«