Der Mohr sah mich unbeschreiblich verachtungsvoll an und ließ eine verhältnismäßig lange, aber glücklicherweise wenig kostbare Zeit vorüberstreichen, ehe er mich einer Antwort würdigte.
»Das Kind doch nicht?!« rief er endlich. »Sie würden der letzte sein, an den das gnädige Fräulein sich um Rat und Trost wenden würde; aber die gnädige Frau bittet um einen Besuch, wünscht sich Ihnen an das Herz zu legen und Ihre Wut an Ihnen auszulassen.«
»An mir?! Gütiger Himmel, weshalb denn gerade an mir?«
»An den Tod kann man sich nicht halten; der Herr Autor Kunemund lassen auch nicht mit sich scherzen, und einen muß man doch haben, dem man sagen darf, was man über die ganze Geschichte denkt! Sie sind der Mann, lieber Herr; Sie allein; denn Sie sind zugleich ein Mann von Welt, und wer in dieser lästerlichen, hinterlistigen, heimtückischen Welt keine Sehnsucht empfindet nach der einzigen Kreatur, von der man gewiß weiß, daß sie uns versteht und uns nachfühlt, der ist eben in eine andere Schule gegangen und hat darin das Seinige gelernt, ungefähr wie ein gewisser Nigger, der sich aus Bescheidenheit weiter nicht nennen will, dessen Dienstbuch aber jederzeit auf der Polizei eingesehen werden kann.«
Ich hielt mir die Stirn mit beiden Händen. Dieses an diesem glühenden
Tage?!…
»Meine Empfehlung an Ihre Herrin, Ceretto, ich werde ihr meine Aufwartung machen.«
»Das werde ich bestellen, obgleich es, sozusagen, überflüssig ist; — man kannte die Antwort schon ohne das.«
Nun hätte ich den Schwarzen doch noch aus der Tür werfen müssen; er schien es aber auch einzusehen und entfernte sich schleunigst ohne das, nachdem er sein letztes Wort gesprochen hatte.
Fünfundzwanzigstes Kapitel.
Ein Gewitter mußte kommen, und gegen sechs Uhr zeigten sich die Vorboten desselben an allen Ecken und Enden, das heißt über alle Dächer her, die mir rings um meine Fenster den unermeßlichen Äther verengerten. Während die giftig-weißen Wolkenballen emporstiegen und, sich umwälzend, ihre Farbe ins Dunkelgraue, ins Schwarze verwandelten, machte ich die möglich-sorgsamste Toilette, meine äußere Erscheinung gleichfalls aus dem Grauen ins Schwarz verändernd. Zu gleicher Zeit machte ich unter dem Einfluß der elektrischen Schwüle einen Seelenprozeß durch, dessen häufigere Wiederholung mir für den Körper nicht wünschenswert sein konnte.