So?… Ei?… I, Kunemund! Kommt Er mir endlich so herum? O ja, daß der Förster einmal ganz etwas Besonderes erfährt, wenn er nach Hause kommt und nach dem Trudchen fragt, das ist schon lange das, worauf ich warte, Autor. Und Herr Kunemund, Seiner Naseweisheit zuliebe will ich Ihm noch eine andere Ansicht in den Handel geben, und die ist, daß Er von morgen an die Suppe selber kocht, und mich das Kind hüten läßt. Will Er, — will Er, Meister Kunemund?

Himmel — Donner — brummte ich laut; aber ganz leise sage ich: So schlimm wird es doch nicht gleich werden! — aber eilfertig genug stapfe ich sofort mit kalter Pfeife wieder vors Haus und stehe und brülle nach allen vier Weltgegenden nach dem Kinde, und halte die Hände hinter den Ohren, ob ich die Hunde wenigstens nicht zu vernehmen kriege. Die höre ich denn gottlob auch, aber in sehr weiter Entfernung und, wie es scheint, gleichfalls sehr böse. Da haben wir einmal wieder einem dummen Viehzeug zu weit über den Weg getraut, denke ich; — den Schnürbein wenigstens hätte ich mit mehr gesundem Menschenverstand begabt geglaubt — da sieht man's wieder! Und damit laufe ich dem Gebelfer nach und habe mich lang und arg genug in das Gestrüpp hinein zu winden, ehe ich dem Trudchen, den Biestern und aller übrigen Absonderlichkeit auf den Hals komme. Ich komme ihnen aber auf den Hals, und zwar zu meiner eigenen sträflichen Verwunderung. Am Hange eines Hügelchens, mitten im Hochwald steht, mit dem Rücken an eine Buche gelehnt, unsere Trude und schreit aus voller Kehle Zeter. Zehn Schritte aber weiter ab unter einer andern Buche steht ein Geschöpf, was sicherlich da nicht aus dem Boden herausgewachsen war, und schreit ebenfalls, aber aus gröberer Kehle. Alles Hundevolk, mein Schnürbein voran, hat nämlich einen Kreis um dieses Wunder geschlossen und ist außer sich mit Bellen, Anspringen, Fest-auf-die-vier-Füße-stellen und Zähnfletschen. Was war's? Ein kohlenpechschwarzer Mohr! Ja, ein kohlenpechrabenschwarzer Mohr, der auch die Zähne fletscht und auf jedes Aufspringen Schnürbeins und der übrigen so hoch als möglich in die Luft hoppst. Sonderbar schön steht es der Kreatur, daß sie zu allen ihren sonstigen Annehmlichkeiten eine mehr dottergelbe als lederfarbene Uniform oder Livree trägt, aber das allersonderbarste ist, daß sie mich in ihrer Not und Angst ganz regelrecht auf deutsch anschreit, und zwar rein bremerisch:

Rufen Sie doch die Höllenhunde ab! Tausend Donnerwetter, haben Sie die
Güte!

Ich tue das, indem ich zugleich Trudchen begütige; und knurrend gehorcht endlich das Viehzeug.

Habe ich vielleicht jetzt schon das Vergnügen, Mynheer Kunemund vor mir zu sehen? fragt der Schwarze höflich mit dem Hute in der Hand.

Der bin ich freilich, sage ich, aus einem Erstaunen ins andere fallend, und hebe vor allen Dingen meine Trude, die mir angstvoll die Arme um den Hals schlägt, auf den Arm. Aber Sie — Sie — Herr — lieber Mann — wie kommen Sie — ja was haben Sie — Sie schwarzer Mensch — aber ist denn das die Möglichkeit?

Es ist die Möglichkeit, Mynheer Kunemund, sagt das Ding womöglich noch höflicher. Und wenn Mynheer Kunemund morgen zu Hause zu finden wäre, so würde Mynheer Kunemund sehr gern eine Tasse Tee bei Mynheer trinken.

Halten Sie mal! sag' ich, und setze das Kind von neuem auf den Boden, um mir besser mit beiden Händen an den Kopf greifen zu können.«

Fünftes Kapitel.

Der Meister Autor machte an dieser Stelle keine Pause; aber wir sind leider gezwungen, unsererseits eine eintreten zu lassen, um eine persönliche Bemerkung, unsern Lesern gegenüber, zu machen.