Man ist nämlich der Meinung, daß alles, was schon sehr häufig dagewesen ist, endlich sehr langweilig wird. Das ist eine landläufige Ansicht und Überlegung; aber trotz alledem nicht immer wahr! Hier hatten wir den reichen Onkel aus Surinam einmal wieder, und zwar so frisch und unverbraucht, als ob er zum erstenmale aus den Tropenländern zurückkomme, um die arme Vetterschaft in Europa glücklich zu machen.

»Alter Freund,« sprach ich zu dem Meister Autor Kunemund, »daß Sie an dieser Stelle Ihres Berichtes neu wären, kann ich zwar nicht behaupten; aber etwas was mir hier interessanter und willkommener sein könnte, kenne ich wahrhaftig nicht. Also gratuliere ich bestens!«

»Ob ich mir an dem Tage gerade Glück wünschte, weiß ich heute nicht mehr, Herr von Schmidt,« fuhr der Meister fort. »Aber das weiß ich noch, daß mir mancherlei durch Kopf und Seele ging, als der Schwarze jetzt aus seiner Reisetasche einen Brief vorholte, und ich schon in der Aufschrift richtig meinen kleinen Bruder herausfand. Er meldete sich in Fleisch und Blut auf den morgenden Tag bei uns zu Gaste im Walde an, und hatte seinen Mohren nur vorausgeschickt, um aller seiner gewohnten Bequemlichkeit bei uns sicher zu sein — der Hansnarr!

Ich las den Brief, und dann sah ich mir den Mohren von neuem an, und da das Tier mich nicht fraß, so wurde es nun auch allmählich dem Trudchen und den Hunden klar, daß es sie nicht fressen wolle. Die Hunde fingen zuerst an, das ausländische Gewächs zu beschnüffeln, und dann fing die Trude an zu lachen und in die Hände zu klatschen.

In dem Briefe stand nichts, und so sage ich denn:

Na, so wird es denn wohl das beste sein, daß wir vorerst allesamt nach Hause marschieren, um die Alte und nachher den Alten auf das Mirakel und die Ehre vorzubereiten. Auf die Alte freue ich mich, das kann ich wohl sagen.

Ich freute mich wirklich auf die Alte, und die Folge erwies, daß ich Grund dazu hatte. Einen guten Spaß muß der Mensch nicht beiseite schieben, vorzüglich wenn er so in der Eremiterei wohnt, wie wir alle in unserm Försterhause. Auf dem Wege nach Hause aber fragte ich vor allen Dingen meinen Mohr:

Aber nun sagen Sie mir doch auch: wie heißen Sie? wo kommen Sie her? und dann die Hauptfrage: Redet man bei Ihnen zu Hause denn auch so ein verständliches Deutsch?

Nun, natürlich! Weshalb sollte man in Bremen, im Schüsselkorb nicht ein gutes Deutsch sprechen? Da bemühen Sie sich doch nur in Thielebeules Keller, um zu hören, Herr Kunemund. Ich bin aus dem Schüsselkorb; aber auf ein bißchen Spanisch, Englisch oder Malaiisch — das Holländische ganz ungerechnet, soll's mir auch nicht ankommen. Ich hab' auf mehr als einem Schiff, und unter mehr als einer Flagge als Koch oder Steward die Welt befahren. Mein eigenster Beruf ist aber der wilde Meß- und Jahrmarktsindianer.

Was Sie nicht sagen?! Und Sie heißen —