»Das war kühl und abstoßend genug, aber ich war auch Psycholog genug, um zu wissen, aus welchem ganz anders bewegten Grunde dieser Ton heraufquoll. Es ging nicht an, den Unglücklichen vor das Gericht der Eigenliebe zu ziehen und mit einem: So empfehle ich mich denn höflichst — umzudrehen und geärgert nach Hause zu laufen.

»›Es ist ja möglich, daß wir heute für immer Abschied voneinander nehmen müssen‹, sagte ich; ›aber weshalb sollen wir es denn in dieser Art thun?‹«

»Da brachen dem anderen die Thränen aus den Augen.

»›Nein, nein‹, schluchzte er, ›du hast Recht, es ist doch nicht die rechte Art!‹

»Er warf mir die Arme um den Hals und küßte mich und schien mich nun nicht von sich lassen zu können.

»›Lebe denn wohl, du Guter, — denke nur an mein Elend und nichts anderes an mir! Sieh mir nicht nach; du sollst noch einmal von mir hören, Philipp! Lebewohl, lebewohl!‹

»So hielten wir uns lange, und dann schieden wir in der That voneinander. Ich habe ihn nicht wiedergesehen; aber gehört habe ich freilich noch einmal von ihm; — er hat mir einen Brief geschrieben; und ich bin seit dreißig Jahren der Besitzer der Apotheke ›zum wilden Mann‹!«

Sechstes Kapitel.

Der Pastor und der Förster hatten sich auf ihren Stühlen zurückgelehnt und blickten nach der Decke. Die Schwester hatte die Hände im Schoße zusammengelegt und sah auf den Bruder; man hörte den Sturmwind einmal wieder recht deutlich, und nachdem man lange genug geschwiegen hatte, sprach der Förster, wie es schien, um etwas zu sagen:

»Es wird jetzo auch um den Blutstuhl tüchtig pfeifen und sausen.« Sonderbarerweise fügte er dann hinzu: