»Wozu ich mir ganz gewiß heute noch Glück zu wünschen habe,« sagte der tapfere alte Krieger, »denn in diesem gottverdammten Schiffsraume, dem schwärzesten, stinkendsten Loche, das je auf dem Wasser schwamm, lernte ich einen Arzt kennen, der eine Kur an mir verrichtete, wie sie keinem europäischen Mediziner gelungen wäre —«

»Das wäre der Teufel!« rief der europäische Physikus.

»Der war es so zu sagen auch,« sprach gelassen der brasilianische Oberst, »und er klopfte mich auf die Schulter und sagte: ›Senhor, eine Zeit lang hat jedermann auf Erden das Recht, den Narren zu spielen, nur darf er das Spiel nicht über die gebührliche Zeit fortsetzen, er macht sich sonst lächerlich; Ihr gefallt mir, Senhor, und ich meine es gut mit Euch, — diesmal kommt Ihr noch mit dem Leben davon; erinnert Euch meiner und ruft mich, wenn Ihr mich braucht; ich stehe immer an Eurem linken Ellbogen.‹ — Meine Herrschaften, das Ding verhielt sich wirklich so, und ich habe den Schwarzen jedesmal, wenn ich ihn nötig hatte, gerufen, und mich stets wohl dabei gefunden. Vorher war's mir herzlich schlecht in der Welt ergangen, und ich hatte mich recht übel darin befunden.«

Der geistliche Herr rückte ein wenig ab von dem sonderbaren Gaste, Fräulein Dorothea Kristeller murmelte:

»Ei, ei! hm, hm;« — der Apotheker sagte noch immer nichts; aber Ulebeule rief entzückt:

»Das ist ja aber heute wie ein Abend aus dem Tausendundeinenachtbuche! Wir sind drin im Erzählen, und wenn's nach mir geht, bleiben wir bis zum Morgen dabei. Lieber Herr Oberst, unser alter Philipp da hatte vom Anfange an auch nicht die Absicht, uns alles das, was er uns berichtet hat, zu beichten; er geriet nur so ganz allgemach auf die Fährte, und wir haben ihn nur durch gute Ermunterung darauf gehalten. Herr Oberst, nehmen Sie sich gütigst ein Exempel und erzählen Sie weiter von den Mohren. Der Abend ist ganz darnach; — was meinen Sie, Pastore?«

Der Pastor war wieder zugerückt und bot dem fremden Kriegsmann die Dose.

Dom Agostin Agonista lächelte gutmütig und sagte vergnügt:

»Ich weiß nicht, was für wilde Historien unser freundlicher Herr Hospes von sich erzählt hat; mein Leben ist sicherlich ins Wilde geschossen und hat Früchte gebracht, die auf jedem Markte Verwunderung erregen müssen. Zuerst wucherte das Gewächs phantastisch ins Kraut, und mehr als ein Botanikus wartete mit Spannung auf die überirdischen Blüten und Früchte. Jawohl! Der große Hurrikane kam, der Wind und Sturm über Land und See, — die Blätter wurden weggefegt, die Blüten, oder was so aussah, dito. Endlich fand sich so ungefähr drei bis vier Fuß unter der Erde etwas, was mit der Kartoffel einige Ähnlichkeit hatte — allerlei Knollen durch Fasern aneinanderhängend — ungenießbar, zäh, ein abgeschmacktes Produkt der alten Mutter Erde. Dazu hat man es denn gebracht, meine Herrschaften, und der einzige Trost ist nur, daß eben nicht ein jeder nach seiner Wahl ein Pomeranzen- oder Palmenbaum werden kann. Je früher aber der Mensch herausfindet, in welche Klasse er nach Linné oder Buffon gehört, desto besser ist es für ihn und desto schneller kommt er zur Ruhe und zur Zufriedenheit mit seinen Zuständen. So lange er's noch nicht heraus hat, spuckt er Gift und Galle in den schönsten Sonnenschein hinein und macht Brüderschaft mit dem Schneegestöber und Winterwinde. Ich halte das auch für eine Philosophie, Herr Kristeller.«

»Das ist es auch, Herr Oberst,« sagte Herr Philipp. »So lange aber der Mensch jung ist, findet er die große Wahrheit selten. Ja, Viele — die Meisten finden sie nie und glauben an ihre Palmbaumberechtigung bis zum Ende.«