»August, ich freue mich unendlich, — du bist merkwürdig jung geblieben!«
»Bei allen Göttern zu Wasser und zu Lande, ich hoffe das,« lachte der Oberst Dom Agostin, und es war eine Wahrheit: trotz seiner schneeweißen Haare und seiner wohlgezählten Jahre war er sehr jung geblieben; aber das jüngste an ihm war doch seine Stimme.
Diese allein schon konnte als eine Merkwürdigkeit gelten. Mit einem behaglichen Widerhall erfüllte sie das Haus, ging einem voll und rund durch die Ohren ins Herz und paßte sich gemütlich, ja sozusagen, tröstlich-fröhlich allem und jeglichem an, was die Stunde im Guten und im Bösen bringen mochte. Wer sie von fern vernahm und vorzüglich in Verbindung mit dem herzlichen Lachen ihres Besitzers, der sagte sich unbedingt:
»Da freut sich ein braver Gesell seines Daseins.«
Der Oberst schüttelte nun noch einmal dem Fräulein die Hand und sprach zum Apotheker:
»Ich habe euch heute morgen das Recht gegeben, mich für einen Langschläfer zu halten, aber ihr werdet wahrscheinlich morgen früh schon eines Besseren belehrt werden. Gewöhnlich pflege ich drei Stunden vor Sonnenaufgang auf dem Marsche zu sein. Man lernt das, auch ohne Anlagen dazu zu haben, unterm Äquator; und wenn ihr eines morgens das Nest ganz leer finden solltet, so braucht ihr euch auch nicht allzu sehr zu wundern.«
»O, Freund,« rief der Apotheker, »wir werden dich zu halten wissen! wir werden dich sicherlich fürs erste nicht loslassen! Du bist unser! Du darfst nicht gehen, wie du gekommen bist — du würdest für lange Zeit alle unsere Freude, unser Behagen mit dir wegführen!«
»Hm,« sagte der Oberst, und dann frühstückten sie gemächlich und der alte Soldat mit besonders ausgezeichnetem Appetit. Er zeigte auch beneidenswert wohl konservierte Zähne und wußte sie trefflich zu gebrauchen.
Nach vollendetem Frühstück lehnte er sich behaglich seufzend zurück und setzte seine Pfeife in Brand. Dorette ging ihren Hausgeschäften nach, und die beiden Herren waren allein. Sie plauderten jetzt — sie konnten jetzt plaudern — der Ernst in ihren gegenseitigen Verknüpfungen war wenigstens für den Moment überwunden; sie hatten die nötige Ruhe zum harmlosen Schwatzen gefunden, und sie schwatzten miteinander — zwei gemütliche ältliche Herren, deren einer etwas mehr von der Welt gesehen und sich bedeutend besser erhalten hatte, als es dem anderen vergönnt gewesen war.
Der Brasilianer freute sich über die deutschen Stubenfliegen, welche ihm um die Nase summten; es war ihm auch durchaus nicht zu verdenken; aber die Thatsache verdient, in einem eigenen Kapitel behandelt zu werden.