»Also mein ›Kristeller‹ hat dich auf meine Spur gebracht! O, lieber August—in, ich glaube da wirklich eine wohlthätige Erfindung gemacht zu haben; ich werde sogleich —«
»Nachher,« sprach der Oberst Agonista. »Sieh, wie herrlich die Sonne scheint, wie blau der Himmel ist! Philipp, jetzt zeigst du mir vor allen Dingen dein Heimwesen im einzelnen: Herd und Hof — ach, wie schade, daß du mir nicht auch Weib und Kinder und Enkel zeigen kannst! — und Garten, die Offizin, das Laboratorium, die Materialkammer, Küche und Keller, Stall und Viehstand — alles interessiert mich!«
Da der Hausherr jetzt wieder neben seinem Gaste saß, so klopfte er ihn nun auf das Knie:
»O Augustin, wie freundlich ist das von dir! Welch' eine Freude machst du mir da. Sollen wir gleich gehen?«
»Gewiß,« sprach der Oberst Dom Agostin Agonista, sprang auf, drückte den Tabak in der Pfeife fest und nahm den Arm des Freundes.
Beide Herren traten ihre Gänge an, durch Haus und Hof, durch Garten und Ställe, und es war zugleich eine Merkwürdigkeit und ein Vergnügen, wie verständig und sachkundig der Kriegsmann über alles zu reden wußte, und — wie genau er sich jegliches Ding ansah.
Der entzückte Hausherr sprach ihm mehrfach seine Verwunderung darob aus; aber Dom Agostin lachte und meinte:
»Treibe du dich einmal wie ich ein Menschenalter da drüben um unter dem Volk und den Völkerschaften, die Affen und sonstigen Bestien eingeschlossen. Das heißt natürlich als ein von Haus und Anlage aus überlegender und praktischer Mann, und dann sieh zu, ob du nicht gleichfalls die Ordnungen der alten Heimat dir im Gedächtnis wachrufen und täglich gern mit neuen Erfahrungen vermehren wirst. Wenn mich mein Schicksal zu einem Abenteurer gemacht hat, Philipp, so bin ich doch ein ganz solider geworden. Daß ich mich demnächst verheiraten werde, glaube ich euch bereits gestern abend mitgeteilt zu haben.«
»Wenn es wirklich dein Ernst war, Augustin —«
»Mein bitterer Ernst. Ihr schient es alle für einen Scherz zu nehmen; ich habe das wohl gemerkt. Eigentlich hätte ich das übel aufnehmen sollen und begreife jetzt auch nicht, weshalb ich nicht sofort um weitere Aufklärung über euer Lächeln hat; — dieser Doktor — Doktor Hanff schien mir sogar die Schultern in die Höhe zu ziehen. Nun, schieben wir das alles auf den trefflichen Punsch deiner Schwester; — ich aber wiederhole es dir, ich bin bis über die Ohren verliebt und trage das Bild meiner Geliebten in einem Medaillon unter der Weste auf dem Busen. Du sollst das Porträt sehen, und deine Schwester soll's nachher auch sehen, und dann will ich eure Meinung ruhig anhören. Es ist ein Prachtweib und nicht ohne Vermögen; Senhora Julia Fuentalacunas, — nicht wahr, ein recht wohlklingender Name? Sie kam jung als Julchen Brandes von Stettin nach Rio und heiratete den Senhor Fuentalacunas vom Zollamte. Weißt du, lieber Freund, der Rock des Kaisers ist zwar eine recht kleidsame und honorable Tracht; aber wenn man so die erste Jugend hinter sich hat, fängt man an, auf die Ehre zu pfeifen und das Behagen dem Herrendienste vorzuziehen. Ich werde eine Hacienda kaufen und hoffe als ein begüterter Familienvater meine Tage in Ruhe im Kreise der Meinigen zu beschließen. Ihr — du und Fräulein Dorette — gehört natürlich zu der Familie, und wir werden ein vortreffliches Leben miteinander führen.«