»Wie?« — — fragte der Apotheker »zum wilden Mann«, Herr Philipp Kristeller, und sah seinen Gast mit den größesten Augen an.

»Wie ich es sage,« sprach der kaiserlich brasilianische Gendarmerie-Oberst, den erstaunten Blick seines alten Freundes nicht im mindesten beachtend, sondern, mitten im Hofraume stehend, rings umher an den umgebenden Gebäuden emporschauend. Es schien ihm wiederum in der That bitterer Ernst um das zu sein, was er sagte.

»Ich hoffe, deine Schwester ohne Mühe zu überreden,« fügte er wie beiläufig an.

Der Apotheker lachte, der Oberst aber lachte ganz und gar nicht mit, sondern umging die zwei Milchkühe im Stalle mit kritischem Blicke, klopfte sie auf die Weichen und bemerkte:

»Vor einigen Jahren war ich in Fray Bentos und sah mir das dortige Fleischextrakt-Institut an. Großartig! — Sie treiben euch vor den Augen einen Ochsen in die Retorte und liefern ihn euch nach zehn Minuten in eine Büchse konzentriert, die ihr in die Hosentasche steckt — wäre das Weltmeer nicht da, dem ihr euer Erstaunen zurufen könnt, ihr wüßtet nirgends damit hin, Philipp. Und vor vierzehn Tagen war ich bei Liebig in München — annähernd derselbe Geruch und Duft wie bei dir, nur noch ein bißchen metallischer; — Kristeller, da können wir einander gleichfalls gebrauchen — ich liefere dir das Vieh, und du lieferst mir den Extrakt; — Philipp, ich gebe dir mein Ehrenwort darauf, in drei Jahren machen wir den Herren zu Fray Bentos eine Konkurrenz, die sie zu Thränen rühren soll.«

»O Augustin, welch einen prächtigen Humor hast du aus deinem neuen Vaterlande mit herübergebracht!« rief der Apotheker; »aber —«

»Humor?« fragte der Oberst sehr ernsthaft und setzte fast schreiend hinzu: »Zahlen! Zahlen! Die eingehendsten, unumstößlichsten Berechnungen: Hier! — da!«

Er hatte bereits seine Brieftasche hervorgezogen und las im Fluge dem Freunde einige in der That sehr eingehend auf die Fleischextrakt-Fabrikation Bezug habende Zahlenreihen her. Herr Philipp Kristeller rieb sich in immer größerer Erstarrung die Stirn:

»Die Schwester — die Schwester sollte das hören,« murmelte er, und jetzt lächelte auch der Gendarmerie-Oberst endlich wieder einmal und meinte:

»Ich werde natürlich schon beim Mittagsessen deine gute Schwester mit unseren Plänen bekannt machen und sie für dieselben zu gewinnen suchen. Ich bin überzeugt, sie wird sich nicht so steif-verwundert wie du hinstellen und nur meinen Humor loben.«