»O du großer Gott!« seufzte Herr Philipp.
Die Ziege, welche neben den zwei Kühen im Stall unter der besonderen Obhut Fräulein Dorette Kristellers ein wohlbehagliches Dasein lebte, überging der Oberst ohne weitere Bemerkung; dagegen sprach er im Hühnerhofe kopfschüttelnd:
»Dieses Vieh hier erinnert mich stets merkwürdig lebhaft an meine selige Mutter.«
Er hatte die Brieftafel in der Hand behalten und machte von Zeit zu Zeit einige Notizen. Fast zwei Stunden brachten die beiden Herren auf ihrer Inspektionsreise zu, und als sie ins Haus zurückkehrten, fanden sie den Landphysikus in der Offizin auf sie wartend und ein Gläschen vom berühmten Kristeller'schen Magenliqueur vor ihm auf dem Tische.
Mit gewohnter Jovialität begrüßte der Doktor die eintretenden beiden Herren. Man schüttelte sich bieder die Hände im Kreise und erkundigte sich gegenseitig auf das Herzlichste nach der Nachtruhe und dem sonstigen Befinden.
»Was für einen Wochentag schreiben wir denn heute eigentlich?« fragte der Oberst, seine Brieftasche immer noch in der Hand tragend.
»Das wird Ihnen der Barbier, welcher da eben hinrennt, am besten sagen können,« lachte der Doktor Hanff, »der Pflug geht den Bauern über die Wochenstoppeln; es ist Sonnabend —«
»Und morgen besuche ich zum erstenmale seit einem Menschenalter den deutschen Gottesdienst wieder!« rief der Oberst Dom Agostin Agonista entzückt. »Übermorgen reise ich ab.«
»August? — Augustin?« rief erschrocken Herr Philipp Kristeller.
»Herr Oberst?« sprach erstaunt Fräulein Dorette Kristeller.