Herr Philipp schüttelte melancholisch den Kopf.
»Meine Schwester Dorothea und ich doch wohl nicht, aber — mit dir ist es freilich etwas anderes. Nein, mein teurer August, du wirst wieder allein gehen müssen.«
»Aber das macht mir wirklich einen Strich durch alle meine Berechnungen,« brummte der Kriegsmann verdrießlich.
»Du nimmst unsere besten Wünsche mit hinüber; wir werden in Gedanken stets bei dir sein.«
»Danke!« sagte der Oberst womöglich noch verstimmter.
»Ich habe den Tisch vor deinem Stuhle bereits zurecht gerückt, mein guter August. Meine Hausbücher liegen zu deiner Einsicht bereit; du wirst mit meiner Schwester zufrieden sein, denn sie hat die Bilanz gezogen. Ich hoffe, du wirst finden, daß wir — meine Schwester und ich — unser — mein — dein Vermögen nach bestem Wissen verwaltet haben.«
»Ich komme im Augenblick hinunter, lieber Alter!« rief der Oberst, allen Mißmut sofort abschüttelnd und mit hellem Lächeln das rechte Bein blitzartig unter dem Deckbette vorschnellend und mit dem Fuße nach des Apothekers Reserve-Ehren-Pantoffeln auf dem Boden angelnd. »Im Moment — in zehn Minuten bin ich drunten bei dir. Philipp, du bist ein Prachtmensch! und du wirst sehen, daß ich die Welt kenne und auch für dich das Nutzbringendste zu ergreifen verstehe.«
»Wir warten mit dem Kaffee auf dich, lieber August!«
»Mein schönstes Kompliment im voraus an deine Schwester! Im Augenblick bin ich bei euch. Nicht wahr, Philipp, dein Rezept für den ›Kristeller‹ giebst du mir mit hinüber, — nicht wahr, Alter?«
Der Erfinder des »Kristeller« versprach's, und nach einer Viertelstunde saß der Oberst Dom Agostin Agonista richtig bei dem Geschwisterpaar im Hinterstübchen und zwar, ohne alles vorherige Sträuben, im Ehrensessel und vor den Haus- und Rechnungsbüchern der Apotheke »zum wilden Mann«; — Fräulein Dorette Kristeller hatte ihn dazu von Zeit zu Zeit zu fragen, ob ihm noch eine Tasse Kaffee gefällig sei.