Fräulein Dorette stand im Scheine ihres Nachtlichtes mit schlaff niederhängenden Armen und vor dem Leibe gefalteten Händen, blickte hinter ihm her und stöhnte:

»Also da sind wir denn! — o diese Mannsleute! Was soll aus uns werden? lieber Herrgott, was soll aus uns werden? — Zu den Pottekudern, seinen neuen Landsleuten, gehe ich für mein Teil nicht mit! Er wäre freilich imstande, uns in aller Güte und Zureden mit Haus und Hof mit sich zu schleppen und uns mitten in der Urwildnis hinzusetzen und eine Schnapsfabrik auf meines armen Bruders Namen und Liqueur zu gründen. Aber er soll mir kommen, der Kehlabschneider, der Scharfrichter, der Menschenschinder, der Henkersknecht. Für alle Freibillets in der Welt geh' ich mit ihm nicht nach seinem Amerika; am Spieße brät er uns doch, wenn er uns drüben hat, und wenn er auch noch so schlau hier am Orte den Gemütlichen, den Vergnügten und den biederen treuherzigen Krieger spielt.«

Der Oberst Dom Agostin Agonista wurde durch das, was im unteren Teile des Hauses »zum wilden Manne« vorging, nicht in seinem Schlummer gestört. Er schlief abermals weit in den hellen Sonnenschein des Dienstags hinein, und die Flasche mit dem »Kristeller« stand auf seinem Nachttische, und auch das Spitzglas, das dazu gehörte, hatte der alte Soldat handgerecht zugerückt. Aber auf dem Stuhle am Bette saß um halb neun Uhr, seit einer Viertelstunde zärtlich lauschend, Herr Philipp Kristeller, das Erwachen des Gastes, Freundes und Wohlthäters erwartend.

»Sobald der Gute erwacht, wollen wir überlegen, in welcher Weise es am angenehmsten und vorteilhaftesten für ihn einzurichten ist,« hatte der Apotheker, auf den Zehen in die Kammer schleichend, geflüstert; und er hatte eine gute Stunde zu warten, ehe der Brasilier die Augen öffnete, sich entsetzlich reckte, gewaltig gähnte und dann, sich überrascht aufrichtend, rief:

»Diablo! bist du denn das, Filippo? Ei, schönsten guten Morgen! aber dieses ist einmal freundlich von dir!«

»Guten Morgen, August. Du erlaubst mir wohl, daß ich dich diesmal wieder August nennen darf; denn ich sitze hier und warte auf dein Erwachen, um dich recht tüchtig abzukanzeln.«

»Abzukanzeln? weshalb? wieso? warum? wofür?«

»Weil du meiner guten Schwester mehr Zutrauen bewiesen hast als mir, August.«

»Ah — — — so!« sprach der brasilianische Gendarmerie-Oberst ungemein gedehnt und legte sich wieder hin — nämlich mit dem Hinterkopfe in seine Kopfkissen. Nach einer Pause erst fügte er etwas gedrückt hinzu:

»Und nicht wahr, du giebst mir recht? Dein Entschluß ist gefaßt; — wir gehen zusammen über das Weltmeer, um goldene Berge für uns und unsere Nachkommen aufzuschütten?!«