»Er braucht sein Geld, und er ist gekommen, es zu holen? Aber Dorette, das wäre ja wundervoll!«
»Wundervoll?! —«
Herr Philipp Kristeller knöpfte mit zitternder Hand, der kühlen Nacht zum Trotze, vor innerster Aufregung die Weste auf:
»Dorette, wenn du Recht hättest! — herrlich, herrlich wäre es! Aber — wenn das so wäre, so würde er es mir doch wohl zuerst gesagt haben?!«
»Hat er das denn nicht? und zwar auf jede nur mögliche Weise — fein und grob!«
Der Apotheker antwortete nichts hierauf. Er ging rasch in dem engen Raume seiner Bildergalerie auf und ab und rieb sich nach seiner Art die Hände und murmelte vor sich hin:
»Der Gute — der Wackere — mein Gott, welch eine glückselige Nacht! — Und ich habe ihn ganz und gar nicht verstanden! O diese Weiber, diese klugen Weiber! Dorette, wenn du recht hättest!«
»Ich habe Recht!« ächzte jetzt das alte Fräulein fast böse. »So setze dich doch und nimm Vernunft an. Was soll denn aus uns werden, Bruder? Du bist diese dreißig Jahre lang deinen Liebhabereien und dem Geschäfte nachgegangen; aber ich habe die Bücher geführt und weiß, wie wir stehen. O, es reicht noch; aber es reicht auch nur gerade hin, — und, Philipp, ich bin fest überzeugt, er holt nicht nur das Kapital, sondern er kann auch die Zinsen gebrauchen, die Zinsen seit dreißig Jahren!«
»Das vergebe ich ihm so leicht nicht, daß er nicht sofort seinen Wunsch mir klar und deutlich ausgesprochen hat,« murmelte Herr Philipp, der durchaus nicht imstande war, sich zu setzen, sondern der fort und fort auf und ab lief und das Wort der Schwester ganz und gar überhörte. »O August, August, also endlich ist auch für mich die Stunde da, dir auf deinem Wege zum Glücke behilflich sein zu können!«
Von der ganzen Fülle dieser Vorstellung überwältigt, stand er jetzt still, und was er seit nicht zu berechnender Zeit nicht gethan hatte, das that er jetzt: er gab der Schwester einen Kuß — einen langen, herzlichen Kuß, und dann — nahm er sein Licht und ging seinerseits in seine Kammer. Er hatte das Bedürfnis, allein zu sein und sich in der Stille und Dunkelheit der Nacht den frohen nahen Morgen und seine erste Begrüßung mit dem Freunde, dem Obersten Dom Agostin Agonista, auszumalen.