Er hatte, wie man zu sagen pflegt, immer auf dem Sprunge gestanden, der kaiserlich brasilianische Oberst Dom Agostin Agonista, aber diesmal reiste er wirklich, und zwar auf die Stunde zum angegebenen Zeitpunkt, nämlich am Mittage des 23. Dezembers. Man hatte ihn natürlich dringend von allen Seiten aufgefordert, wenigstens das Weihnachtsfest über noch zu bleiben, doch alles Bitten und Zureden war vergeblich geblieben.«
»Quält mich nicht länger,« hatte er gesagt, »ich kenne meine Natur und weiß, was ihr gut ist. Diese liebe Feier im gemütvollen Vaterlande, dieses holde Fest im sinnigen, gefühlvollen Deutschland würde mich zu weich stimmen, und es ist unbedingt notwendig, daß ich mich, einige Zeit noch, ein wenig härtlich halte. Ich bin das nicht nur mir, sondern auch meinen guten braven Freunden in der Apotheke schuldig. Meine Verpflichtungen erfordern es, was mein Herz auch dagegen zu sagen haben mag.«
Damit verschwand er, verschwand spurlos, als jedermann bereit stand, ihm noch einmal die Hand zu drücken und sich ihm zu empfehlen. Der Abschied war so eigentümlich wie alles andere, was die Ankunft und den Aufenthalt des Mannes am Orte begleitet hatte. Sie kamen alle zu spät dazu: Herr Philipp aus seinem Laboratorium, Fräulein Dorette aus der Küche, der Doktor Hanff von seinem nächstliegenden Patienten.
Der Oberst hatte den Wagen an die Hinterthür bestellt, war einfach eingestiegen und abgefahren; sein Gepäck hatte er vorausgeschickt, und die Gegend — sah ihm nach.
Die aus der Apotheke sagten nichts, sondern seufzten, der Doktor schlug sich vor die Stirn und rief ein wenig ärgerlich und enttäuscht:
»Ich hätte ihm doch gern noch ein Wort über meine Projekte gesagt! Man bringt einem doch nicht so um nichts und gar nichts die Gedanken in Unordnung und das Blut in Wallung; — Donnerwetter, dieses Brasilien!«
Die übrigen Freunde und Bekannten kamen nach und nach verwundert und erstaunt an das Fenster der Offizin.
»Er wollte vielleicht alles unnötige Aufsehen vermeiden,« sagte Fräulein Dorette Kristeller kurz und tonlos. Ihr Bruder war selbst für den Pastor und für den Förster nicht zu sprechen. Der Apotheker »zum wilden Mann« fühlte sich durch die Trennung von seinem Jugendfreunde sehr angegriffen und wünschte einige Tage ganz sich selber überlassen zu bleiben. Die guten Bekannten begriffen das wohl und ließen das Geschwisterpaar in der That über das Fest allein.
Über das Fest allein!