Da sitzen wir wieder unter den Bildern des Hinterstübchens der Apotheke »zum wilden Mann«, und es ist der Abend des vierundzwanzigsten Dezembers. Ein trübes Talglicht in einem schlechten Messingleuchter, den Fräulein Dorette mit sich ins Zimmer brachte, brennt auf dem Tische. Der alte Herr saß im Dunkel, bis die alte Schwester dieses Licht brachte; — im trüben Scheine desselben sitzt er in dem Ehrensessel, und die alte Schwester hat sich ihm gegenüber niedergelassen. Sie sehen beide abgemattet-sorgenvoll aus; sie feiern beide eine betrübte Weihnacht.
Nach einem langen Schweigen sagte Fräulein Dorette:
»Plagmann aus Borgfelde will die Kühe gleich nach dem Feste abholen.«
Sie sagte das mit einem tiefen Seufzer; denn Bleß und Muhtz waren ihre Herzensfreude und ihr Stolz, und sie mußte sich von beiden trennen.
Ihr Bruder nickte bloß und sprach nach einer Pause seinerseits:
»Ich meine, so ungefähr am fünfzehnten Januar würde die beste Zeit für die Auktion sein.«
Und die Schwester nickte auch und stöhnte:
»Ja, ja, mir ist's recht! mir ist alles recht! o Gott!«
Nun versuchte der alte Herr, um doch etwas für das Fest zu thun, wieder einmal heiter und ruhig auszusehen und rief:
»Courage, Alte! Wer wird so den Kopf hängen lassen? Du sollst jetzt einmal zu deinem Erstaunen gewahr werden, mit wievielerlei unnützem Gerümpel wir uns allgemach auf unserm Lebenswege bepackeselt hatten. Daß wir die Landwirtschaft — die Sorge und den Verdruß um Wiese und Feld los werden, ist im Grunde auch nicht so übel und jedenfalls nicht das Schlimmste. Offen gestanden, meine Knochen leisteten zuletzt doch nicht mehr das, was sie früher mit Lust thaten.«