Lieb und willkommen war Loki, als Wodan dem Wandergesellen der Frühe die Blutspur beschwor; fremd ging der lüsterne Spötter in Asgard, und die Asen trauten ihm wenig, der ihrer Zwietracht listig die Zankäpfel brachte.
Sie mochten sein meidiges Dasein nicht missen, holten sich Rede und Rat in vieler Gefährnis; aber sein züngelndes Wort spielte frech mit dem Feuer, keinen der Stolzen in Asgard verschonend; er hielt mit dem Riesengeschlecht, wenn es ihm paßte, und verhöhnte die Asengewalt.
Als ob er der Nornen Nothelfer wäre, klüglich verkleidet als Schalksnarr, und heimlicher Schildhalter verdrängter Vanengewalt: so hielt er das Glück der Götter in Atem und hing ihrem sorgenden Zweifel das göttliche Schellenspiel an.
Der Dämon der Ränke und ruchlosen Rede aber schwoll auf und wurde dreifach Gestalt im Mißwachs der feindlichen Brut:
Hel hieß die finstere Fürstin der Toten, die bei den kalten Strömen der Unterwelt hausend das Ende der Taten empfing; da hielten sie alle den schweigsamen Einzug, die abgeschieden vom leiblichen Dasein ins Schattenreich kamen, Menschen wie Götter, im Schicksal der letzten Erfüllung.
In den Tiefen des Meeres, rund um den Teller der Erde geringelt, schwoll ihrer Schwester der schelfernde Riesenleib auf, der gewaltigen Midgardschlange: Urfeindin dem asischen Göttergeschlecht, und allen Glanz Asgards unentrinnbar umschließend.
Stärker als Geri und Flecki, die wachsamen Wölfe Wodans, war Fenris, der dritte der fahlen Geschwister; noch lag er gefesselt, ein Schwert stak ihm quer in dem feurigen Rachen.
Aber einmal riß er sich los, dann half Wodan die Weisheit Mimirs nicht mehr, noch Donars zorniger Hammer; dann sank Asgard hin mit dem Übermut seiner Götter.
Baldur
Näher als alle asischen Götter stand Baldur den Kindern der Vanen: der blühende Frühling war sein und das steigende Licht, wie Fro die schwellende Reife und ruhende Schwebe des Sommers gehörte.