So licht war sein Wesen, so lieblich die Wohlgestalt, daß alle Götter ihn liebten und gern seiner Sonnenlust Zuschauer waren, wenn er im Blütenkleid spielte.

Aber dunkle Träume betrübten den Hellen, und traurig ritt Wodan hinunter zum Brunnen, Kunde zu holen, daß Baldur, dem trautesten Sohn, früh zu sterben im Schicksal der Nornen bestimmt sei.

Frigga, die bangende Mutter, nahm allen den Schwur ab, tot- und lebendigen Dingen, den Tieren und Bäumen, Feuer, Wasser und Stein: daß keines Baldur ein Leid antäte, und alle schwuren den Eid aus Liebe mit Eifer.

Als danach die Götter kurzweilten in Asgard, stand Baldur mitten im Kreis; alle warfen, stachen und schossen nach ihm: aber nichts konnte ihm Leides antun, der lächelnd abwehrte, als Sieger im Scherzspiel der Götter.

Den leidigen Loki verdroß der lockige Lächler; listig verkleidet als Weib entlockte er Frigga das bange Geheimnis, daß der Mistelstrauch allein nicht in Baldurs Liebesbann sei.

Da gab er dem blinden Hödur den Zweig der Mistel zur Hand, den Bruder zu werfen im Scherzspiel; der Zweig traf hart, er durchbohrte den lockigen Lächler und warf die lichte Gestalt hinunter in Nebelheims Nacht.

Als Baldur lag im Kreis der erschrockenen Götter, durch Lokis Arglist gefällt, da wußte nicht einer zu klagen; stumm standen sie da und erstarrt, die starken Asen in Asgard, daß nun das Sterben begänne, daß ihrem Dasein für immer das Frühlingsglück fehle, für immer das heitere Spiel.

Auf seinem Schiff legten sie Baldur die Scheite; alle Götter wohnten dem Leichenbrand bei, den Donar mit seinem Hammer entzückte; seine lohende Glut sank in die flutende Ferne, als er nordwärts fuhr und langsam den Blicken entschwand.

Seitdem brennen die Feuer am Sonnenwendtag, von den Bergen lodernd bis Mitternacht; Baldur, das steigende Licht und der schwellende Frühling, fährt hinunter zur Hel; die Scheite werden entzündet, dem Toten den Abschied zu leuchten.

Baldurs Beweinung