Aber nicht Rom und der Papst, ein Bischof sandte die Taube, den Ölzweig zu bringen, ein Bischof im lothringischen Land; den Gottesfrieden hießen sie ihn, und so war seine Botschaft:
Von Freitag zu Montag in jeglicher Woche, von Fastenbeginn bis über den Sonntag nach Pfingsten, vom ersten Advent bis über Dreikönigen dürften nicht Fehde sein; und wer den Gottesfrieden nicht hielt, war verflucht an Leben und Eigen.
Sie kam von Frankreich geflogen, die Taube der Sintflut, wo sie im Streit der Großen den Boden zu ruhen nicht fand; in Lüttich wurde die Stätte bereitet, und bald war der Kaiser ihr Schutzherr.
Heinrich, der König der Bürger und Bauern, nahm ihren Ölzweig zur Hand; da mußten die Großen und Grafen ihm folgen: so war in der Sintflut der Zeit dem Frieden die erste Freistatt bereitet.
Noch war der Haß nicht gestorben und Heinrich der Vierte ging seinen Leidensweg weiter bis an sein gramvolles Alter: aber der Taube von Lüttich hielt er die Treue, und gab in Zorn und Bedrängnis den Ölzweig nicht aus der Hand.
Der Kaiser des Volkes
Klug und wild war der Knabe, hochfahrend der Jüngling, unbeugsam und rastlos der Mann, den das Volk als Vater verehrte, da er ein Greis war; aber das Schicksal fuhr seinen Wagen mit lockeren Rädern, und als er im Gleichmut des Alters zu fahren gedachte, scheuten die Rosse.
Er hatte den mächtigen Papst nach Salerno gebracht und hatte die trotzigen Sachsen gedämpft, aber die Burg seines Königtums ging ihm verloren; so zäh seine Hand das Königsschwert hielt, den Traum von Goslar träumte sein Alter nicht mehr: sein Hoflager ging um in den Ländern der Großen und Grafen, wie es die Herkunft gebot.
Aber ihm fiel eine Burg zu, die nicht aus Steinen gebaut war; Dienstmannentreue hielt ihr das Tor, und die Liebe des dankbaren Volkes war ihre gewaltige Mauer.