Wilder denn je ging der Streit um die Macht, und die Vasallen saßen im Sattel das ganze Jahr; der Gottesfrieden ging unter im Lärm ihrer Schlachten, denn nun war kein Kaiser des Volkes mehr da, ihn zu halten.
Wohl lenkte Heinrich der Fünfte klüglich zurück in die Bahn seines Vaters; er ließ mit goldenen Lettern am Dom zu Speyer die Bürgerfreiheit ansagen: aber dem Finsteren blieb das Herz des Volkes verschlossen.
So kam in Würzburg der klägliche Tag für den Kaiser: hie Papst, hie Kaiser stand auf den Fahnen der Heere; aber die Fürsten stiegen vom Roß hüben und drüben, den Streit zu beenden und auf dem Streitfeld die Zelte der eigenen Herrschaft zu bauen.
Da wurde ein anderer Strick geflochten, Kaiser und Papst die Hände zu binden; da schrieben die Räte der Fürsten das Konkordat, das auf dem Reichstag zu Worms den Streit der Stärke zudeckte:
Der Papst belehnte den Bischof mit Ring und Stab als Zeichen der geistlichen Würde, der Kaiser gab ihm das Zepter als Zeichen der weltlichen Fürstengewalt.
Ein halbes Jahrhundert lang hatte der Streit dem Kaiser den Atem genommen, ein halbes Jahrhundert lang hatte das Feuer die Völker gebrannt, nun dämpften die Fürsten die glühende Asche.
Heinrich der Fünfte blieb er genannt, König der Deutschen und römischer Kaiser: wo seine Väter die Schutzherren waren, nahm er nun selber die Krone, Reichsapfel und Zepter als Lehen der Kurfürstengewalt.
Das Reich der Kaiser war tot; als die Bürger und Bauern Deutschland den Mantel des einigen Königtums brachten, riß ihn die Herrschsucht der Fürsten in Fetzen.
Die goldenen Tage der Kirche
Das Jahrhundert der salischen Herrschaft war aus, und wieder lagen die Heerschilde am Rhein, dem Reich einen König zu küren: hüben die Sachsen und Bayern, drüben die Franken und Schwaben.