Der mächtigste Fürst war Friedrich von Staufen, Herzog in Schwaben und Schwager Heinrichs des Fünften; er hatte die salischen Güter geerbt und war seiner Wahl sicher.

Aber die Kurfürsten hatten das Königtum nicht geschwächt, daß Friedrich von Staufen es wieder stärke; sie wußten den Wahlgang listig zu stören und hoben Lothar von Suplinburg auf den Schild, Herzog von Sachsen und Todfeind Heinrich des Fünften.

Sechzig Jahre war Lothar alt, als die geistlichen Großen dem Graukopf die Krone aufsetzten: als Söldner gekrönt, blieb er ihr williges Werkzeug; und als er ein schlohweißer Greis war, krönte der Papst ihn dem heiligen Norbert zuliebe als Kaiser.

Auch ließ er ein Bild malen, wie er dem König gnädig die Krone verlieh; und so war die stolze Legende: Vor die Tore Roms kommt der König, beschwört die Rechte der Stadt, wird Vasall des Papstes und empfängt von diesem die Krone.

Es waren die goldenen Tage der Kirche in Deutschland, da Lothar der Graukopf die Krone demütig und diensteifrig trug, da der König den heiligen Norbert von Xanten als Bischof nach Magdeburg rief.

Norbert der Bischof hatte als Mönch in Frankreich den Orden der Prämonstratenser gegründet und brannte in düsterer Inbrunst, der Kirche das kostbare Kleid und den Klöstern den weltlichen Wohlstand zu nehmen.

Gebet und Arbeit gab er den Mönchen wieder zur Hand, daß sie – wie Cluny es lehrte – Werkstätten des frommen Fleißes und Zunfthäuser der Kirchenzucht würden, statt üppige Pfründen der Weltlust zu sein.

Zum andernmal schlugen die Mönche die Standlager entsagungsvoller Mühsal auf in den neblichten Wäldern; wo eine Wiese war, wuchsen die weißen Gebäude; Gärten, von Mauern gegürtet, und Feldergebreite drängten hinein in das weglose Dickicht.

Die grauen Zisterzienser wetteiferten treulich mit den weißen Prämonstratensern und wußten zierliches Maßwerk zu bauen; vom Rhein hinüber weit in den Osten und hoch hinein in den Norden trugen sie Kreuz und Kelle und mehrten das Kirchenland.