Der Kyffhäuser

Als Konradin seine Knabenfahrt machte, stand im Reich das Unkraut der staufischen Saat in der Blüte: ein Fremder war König geworden, Richard der Reiche von England hatte die Krone der Deutschen gekauft.

Die sich des Reiches Kurfürsten nannten, nahmen das englische Geld und riefen dem Reich einen König aus, der über dem Wasser wohnte und viermal in fünfzehn Jahren mit einem Schiff kam, nach seiner Herrschaft zu schauen.

Sie ließen ihn krönen zu Aachen und fühlten nicht ihre Schande, daß sie im alten Kaisersaal saßen und unten schlief Karl, der seinen Großen und Grafen ein anderer König und Kaiser der Christenheit war.

Aber sie hatten den Herrn, der ihrem Eigennutz paßte, sie waren die Meute und wollten nicht länger dem Pfiff und der Peitsche gehorchen; wo ein Wild war, fielen sie ein und waren in Wald und Weide frei von der Koppel.

Wald und Weide im deutschen Land, Weinberge und Felder gehörten der Faustmacht des Tages; und was auf den Wegen und Wässern zur Stadt fuhr, galt vogelfrei dem, der es raffte: der König war weit und die Burg war nah, dahin sie den Raub brachten.

Da wurde dem Mann der freien Gemeinde sein letztes Recht und die letzte Hufe genommen, da wurde der Bürger der Pfeffersack für den Ritter, da riß die lahme Gewalt die Ohnmacht des Reiches in Stücke.

Als Richard der Reiche von England dem Reichsschatz zu Aachen die neuen Kleinodien schenkte, waren Mantel und Krone, Reichsschwert und Zepter prunkvoll verziert, aber kein Kaiser war da, sie zu tragen.

Sehnsüchtig sahen die Augen des Volkes nach Süden, ob nicht der Sizilianer zum andernmal käme, wie er vorzeiten kam, über die lahme Gewalt der Großen und Grafen die Stärke und über das Unrecht der Tage das Recht der Herkunft zu bringen.

Noch stand die Kyffhäuser Pfalz, wo er zum letztenmal Hof hielt; er war nicht wiedergekommen und es hieß, er sei tot: aber – drum krächzten die Raben, die um den Turm seiner Kaisermacht flogen – verborgen im untersten Saal saß er und schlief, das Schwert breit auf den Knien.