Der ihm sein Eigen als Lehnsherr ablöste, mußte für jede Hufe den Königsdienst leisten, drum nahm er Reiter in Pflicht, denen das Schwert besser zur Hand war.
So wuchs auf Freienmannsland der Lehnsbaum breit in die Äste: der Lehnsherrenast trug in der Mitte die Krone, der Ritterast hielt ihm zur Rechten den Wettersturm ab, der Bauernast aber zur Linken trug ihm die Früchte.
Vasallen wurden genannt, die gegen Zins- oder Schwertpflicht ein Lehen annahmen; aber das Schwert hielt frei, und der Zins machte hörig: der Reiter zur Rechten wurde ein Ritter, der Bauer zur Linken sank in die Fron.
Der König war oberster Lehnsherr, wer Reichslehen hatte, hieß sein Vasall; die Großen und Grafen gaben zu Lehen, sie waren Vasallen und Lehnsherren zugleich bis zu den Rittern hinunter: so war das Reich ein gewaltiger Turm der Lehnsherrenschaft, gebaut auf dem Wohlstand der Scholle, gekrönt mit dem goldenen Zepter.
Aber der Turm war kein Lohnbau; nicht die Bezahlung hielt seine Quadern mit kupfernen Klammern gefügt, Stein stand bei Stein in der Pflicht, vom Bauern hinauf bis zum König.
Huld und Treue waren die Klammern, Huld und Treue der alten Gefolgschaft; Treue dem Lehnsherrn, Huld dem Vasallen: wie sich die Jünglinge einst die Blutspur beschworen, so nahmen die Lehnsleute einander in heilige Pflicht.
Die Kirche lockte mit seliger Hoffnung und drohte mit ewigen Strafen; Huld und Treue stellten das irdische Dasein auf eigene Geltung; der Mann gab das Wort, und das Wort hielt den Mann; Himmel und Hölle konnten ihm nicht den Schwertriemen lösen.
Der Ritter
Der als Reiter zum Königsdienst ritt, den nannten sie bald einen Ritter, und einen Knappen den Knecht, der ihm die Waffen darreichte.