Im Namen des Schwertes war die Herrschaft des Kaisers geworden und im Zeichen des Kreuzes die Kirche; aber Kaiser und Papst konnten das Recht nicht beugen, das im Herkommen stand.
Als Friedrich der Kaiser fern war in Palermo, als Dienstmannenübermut und städtischer Trotz die Gewalt der Großen und Grafen bedrängten, als Willkür am Werk war, den Rechtsgrund im Reich zu zerreißen, wurde im sächsischen Land die Herkunft lebendig.
Eike von Repgow, ein Schöffe in Anhalt, hob den Stuhl des Gerichts an den Tag: er schrieb dem sächsischen Mann in der Sprache der Väter sein Recht aus der freien Gemeinde gegen den Zwang der unrechten Gewohnheit.
Da man zuerst Recht setzte – schrieb Eike von Repgow – war noch kein Dienstmann, und Jeder war frei, als unsere Vorderen her zuland kamen; denn die Unfreiheit geht wider Gott, ihm ist der Arme so nah wie der Reiche.
Kaiser und Papst halten die höchste Macht, sie können Gewalt mit Gewalt überziehen; aber das Recht steht über dem Königsschwert und über dem Krummstab, und die Gewohnheit des Unrechts kann die heilige Herkunft nicht beugen.
Den Sachsenspiegel hießen sie Eike von Repgows wehrhaftes Weistum; aber die Freien kamen vom Rhein und aus Schwaben, aus Bayern und Franken, in seinen Spiegel zu schauen: so wurde im Reich das Recht, so wurde im Richter der freie Mann wieder lebendig.
Huld und Treue
Einmal war Jedermann Bauer und Krieger gewesen, Herr seiner Hufe und Knecht seines Schwertes, wenn ihn die Hundertschaft rief.
Aber der fränkische Königsdienst lag lästig und hart auf den Hufen, so nahm der Bauer sein Eigen als Lehen von Einem, der ihm die Heerpflicht ablöste.