Walhal war leer; Walküren kamen nicht mehr, auf Wodans Roß den Helden zu holen; Jesus war blutend und blaß in den Himmel gefahren, wartend des Tages, da seine Posaune das Weltgericht rief: die Himmelskönigin saß auf dem Thron, im süßen Wunder der Liebe den Ritter nicht zu vergessen.
Minnegesang
Der Ruhm des Ritters hing seinen Prunkmantel um, daß er den Frauen der Höfe gefalle; der Prunkmantel war mit den Säumen künstlicher Lieder bestickt und gewirkt auf dem Goldgrund der Minne.
Der Sänger hob wieder die Harfe, von Helden zu sagen; aber nun hallte es nicht mehr im Stabreim uralter Gesänge, auch saßen die Männer nicht mehr beim Mahl, den Sänger zu hören: höfische Sitte hatte den künstlich verschlungenen Reim in die Worte und in den Saal die tolosanischen Gebräuche der edlen Frauen gebracht.
Die gestern noch ritten und stachen, standen nun selber in reichen Gewändern und sangen den Frauen die Minne: zierliche Sprüche, die nach der Frauengunst zielten, gemessene Reime, die um den Beifall der Tönemeister rangen.
Der Minnegesang war das Schildzeichen höfischer Zucht und das Siegel des Ruhmes geworden; die Könige selber durften die Kunst nicht verschmähen.
Aber die Frauengunst wollte nicht immer den eigenen Preisgesang hören; der ihr den Spruch sagte, sollte der Held sein oder von Taten der Helden berichten: hinter der maßlichen Kunst stand die Brandung des Lebens und wollte die schäumende Lust der Schicksalsgewalt spüren.
Da wurde im Minnegesang wach, was unter der gläsernen Decke mönchischer Bildung den langen Winterschlaf hielt: Siegfried und Dietrich von Bern, Brunhilde, die unholde Frau, und Etzel, König der Hunnen, der die blonde Hildico freite, Randwer der feine, die blasse Ingunthis und Gundikars todwunde Mannen.
Aufstanden die Helden der Vorzeit im Gedächtnis der Sage, die riesigen Leiber zogen das Rittergewand an, Kreuzfahrer mischten die tollkühne Fahrt in das Königsgefolge, Huld und Treue standen als ewige Sterne.
Huld und Treue fand Heinrich der arme Ritter, als ihm die Magd herzinnig ihr Leben hingeben wollte, mit ihrem Blut das seine zu heilen, das an der Miselsucht krank war; reiner Wille vermochte das Wunder der Gnade zu zwingen.