Huld und Treue hielten der glückreichen Gralsburg die Tore behütet, und Parzival kam aus dem Wald, das Glück der Erwählung zu finden; aber der Knabe versäumte das Zeichen und mußte durch Zweifel und Schuld den weiten Weg reiten, bevor er die Tore zum andernmal fand.
Huld und Treue wurden von Tristan verraten, als ihm Isolde den Liebestrank reichte – Randwer der feine hob seine Augen zur schönen Schwanhild, die er dem König zu freien gesandt war – der König war greis, und Tristan war jung; er trank sein Schicksal sehenden Auges und büßte in schmerzlicher Süße die Schuld.
Huld und Treue streuten Gudrun, dem Königskind, Gold auf den Weg, da sie in langer Gefangenschaft Magddienste tat; an der kalten Meerküste stand sie, die Wäsche zu waschen, als endlich die Schiffe der Heimat die schmerzliche Wartezeit krönten.
Huld und Treue senkten die Wurzeln hinein in die dunkelsten Gründe, als Hagen, der treue, Siegfried, den treulosen traf; denn Siegfried der helle war hürnernen Leibes und in den Trug der albischen Mächte verstrickt; Hagen der finstere fand den Haß in der Huld und den Verrat in der Treue.
Huld und Treue brannten im Blutrausch der Rache, als die Burgunder ins Hunnenland ritten; Erzbildern gleich saßen die treuen Vasallen, Hagen und Volker, am Tor der Vernichtung und hielten Gunther dem König die letzte Wacht.
Hartmann von Aue, Gottfried von Straßburg und Wolfram von Eschenbach hießen die Meister im Minnegesang; ihr Ruhm hing hoch an den Höfen, und fleißige Hände schrieben die Handschrift der rühmlichen Mären auf vielerlei Blätter mit ihren gepriesenen Namen.
Der aber Brunhild, Kriemhild und Gudrun das höfische Prunkgewand gab, der die Urwelt germanischer Sage aus der Vergessenheit löste, blieb im Dunkel der Tage.
Übergroß wuchs seinen zierlichen Worten die uralte Schattenwelt zu; er nahm und gab dem Schuldbuch der Götter Gedächtnis im Schicksal der Menschen und sank in Vergessenheit, indessen sein Lied die Flügel gewaltig aufhob, daß aller Minnegesang tief unter ihm blieb.