Zierliche Reime hielten zärtliche Worte umrankt und waren im Goldgrund der Minne züchtig gemalt mit höfischen Farben, als Reimar, der alte, Walter, dem Jüngling, den Minnegesang lehrte.

Aber der Jüngling aus armem Rittergeschlecht lernte anders zu singen und sagen als sonst ein höfischer Junker; von der Vogelweide war er genannt und bessere Weide als Brosamen fand er sein Leben lang nicht.

Früh war die Straße sein Saal und der Wald seine Kammer, auf allen Wegen des Abendlands sah er das fahrende Volk; da hörte er harschere Töne als die der höfischen Sitte.

Die Vögel sangen ihm Lieder, die Bäche pochten den munteren Takt, und der Wind in den Bäumen rauschte den Harfenton: eine braune Dirne im Arm, das war eine hellere Minne, als nach der Herrin zu schmachten.

Und Walter wußte der helleren Minne die Lieder zu singen wie keiner; Wald und Wiese wurden lebendig, wo ihm das Wort aus dem Mund sprang, und die Liebe fing an zu lachen, wo sein Lockruf ertönte.

Als Otto den Welfen der Bann traf – dem der Papst selber zur Macht verhalf, da er ihn brauchte, und den er verfluchte, da er ihm leid war – vergaß Herr Walter die Maße der höfischen Zucht; da sprang ihm der Zorn in die Kehle, und Rom hatte nicht solche Sprüche gehört, wie die von der Vogelweide.

Denn mehr als ein christlicher Ritter war Walter ein Mann von deutschem Geblüt; jach war sein Zorn, und sein Wort zückte schärfer als manchermanns Schwert.

Als seine Sprüche dem treulosen Rom um die Ohren sprangen, von fahrenden Schülern und frechen Rittern gesungen, da schlug die Stunde schrill in den Morgen, da trat in den Kampf der Schwerter und Listen die neue Gewalt, da wurde in Ehren und Zorn der deutsche Geist wach.

Da wurde Herr Walter, der Mann ohne Burg und Land, eine Stärke, der die Fürsten und Herren im deutschen Land zag oder zornig den Gruß gaben.

Und als er grau war, gab ihm der Staufer Friedrich der Zweite, der Todfeind der Kirche, in Würzburg ein Lehen; da saß die singende Seele der Deutschen im Alter und sagte der Zeit ihre Klage.