Und als er frei war, nahm er die schönen Dinge der Freiheit anders zu Hand als der Ritter; der Ritter war Einer im Kreis seiner Burg, er aber war in den Mauern der Stadt die Gemeinschaft.
Er konnte mit hundert Händen das Seinige halten, mit hundert Augen und Ohren das Dasein bewachen; er konnte verhundertfacht fühlen und wollen und über die einzelne Tat das Richtmaß gemeinsamer Täglichkeit stellen.
So wuchsen Gassen mit Giebeln und Brunnen, so wuchsen Rathäuser steinern und stolz, so wuchsen Kaufhallen mit zierlichen Lauben, so wuchsen die bunten Stuben der Zünfte und der prunkende Saal der Geschlechter.
So wurden Schulen, die Kinder zu lehren, und Krippen der Wissenschaft, so wurden Bauhütten mit Zirkel und Richtscheit, so wurden Werkstätten, die schönen Gewerke und hohen Künste zu üben.
So wurden die Städte Lebensgewalten, so kam die Bildung der Bürgerschaft zu, so wurde der deutschen Seele neue Wohnung bereitet.
Die Zunft
Im Anfang hieß Bürger Insasse einer Burg sein; Hörige hatten im Dienst eines Großen ihr Handwerk zu üben und durften im Schutz seiner Torwächter wohnen.
Als danach die Burg eine Stadt hieß, weil aus dem Troß der Großen ein Hof und aus den Insassen eine Bürgerschaft wurde, hielten die Handwerker treulich die Schranken der Herkunft in Ordnung.
Eine Zunft hießen sie da den Kreis jeglichen Handwerks und schlugen den Zirkel um seine Gebräuche: die freie Gemeinde der Herkunft war die Gemeinschaft des Standes geworden, die alte Zucht hatte ein Alltagskleid angezogen, die Tapferkeit war in die Werkstatt gegangen.